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Der dritte Band der Brautbriefe von Sigmund Freud und Martha Bernays führt uns von Anfang Januar bis Ende August 1884. Gleich zu Beginn seines ersten Briefs, vom 2. Januar 1884, schlägt Freud eines der durchgehenden Themen dieser Korrespondenz an: »Ich habe soeben geschwankt, ob ich mit Dir plaudern oder medizinische Zeitungen lesen soll, aber die Menschlichkeit und die Liebe hat die Oberhand gewonnen, und ich schreibe Dir« (512F). Liebe und Arbeit stehen im Widerstreit. Was wir lesen, ist von Freud her gesehen eine Erzählung, in der die Liebe die Oberhand gewinnt.
Überwiegend allerdings ist sein Thema, so wie auch ihres, die Arbeit. Es bedarf einer Grundlage unermüdlicher Arbeit, damit diese lange Brautzeit einmal zu Ende gehen und ihr künftiges Eheleben auf festem Boden stehen wird. Martha akzeptiert diese Situation voll und ganz als ihr Schicksal. Ihr Brief vom selben 2. Januar begrüßt die Tatsache, dass so viel Arbeit auf ihn zukommt. Sie nimmt die Rolle der ermutigenden und tröstenden Gefährtin ihres hart arbeitenden Verlobten an und macht sich Sorgen, dass er nicht genug schläft.
Wenn wir voraussetzen, dass die ehelichen Pflichten einer Arztfrau des späten 19. Jahrhunderts nicht genetisch »vorprogrammiert« waren, muss dieser offenbaren Harmonie einige kulturelle Zurichtung vorausgegangen sein. Sie war natürlich größtenteils schon vor der Korrespondenz geschehen. Aber im Laufe der ersten zwei Jahre war zu beobachten, wie beide das Stereotyp an ihre jeweilige Auffassung von ihrer Rolle anpassten. Um die Befriedigung ihrer Bedürfnisse sicherzustellen, mussten sie das Vertrauen und die Loyalität des jeweils anderen zu gewinnen suchen - durch Argumente, Überredung oder, wenn das nicht gelang, ein (manchmal befremdetes) Nachgeben. Aus dieser Perspektive sehen wir die Liebenden in einem fortlaufenden Prozess, der, ob er bewusst war oder nicht, als ein Projekt betrachtet werden kann.
Die 14 Monate zwischen Marthas Abreise aus Wien am 14. Juni 1883 bis zu Freuds Ankunft i