You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Man konnte den Eindruck gewinnen, dass das ehrwürdige Symposion in eine Phase der Professionalisierung eingetreten ist, da es diesmal keine Vorträge mit Werkstattcharakter gab, sondern alle ausgearbeitet und abgerundet erschienen. Zugleich waren diesmal nur genauso viele Vorträge angemeldet worden, wie Plätze zur Verfügung standen, was Michael Schröter als Organisator zu einem vorauseilenden Call for Papers für 2017 veranlasste.
Schröter (Berlin) war auch als Referent vertreten und stellte ein Kapitel seines Buchprojekts zur Geschichte der Freud-Schule in Deutschland vor: »Die Geburt der Psychoanalyse aus der nervenärztlichen Praxis«. Was bedeutete es, dass die Psychoanalyse nicht von einem Universitätsmediziner, sondern von einem praktischen Arzt entwickelt wurde? Als Freud 1886 seine neurologische Praxis eröffnete, begann sich die Neurologie von der Inneren Medizin zu differenzieren. »Psychotherapie« im heutigen Sinn tauchte um dieselbe Zeit erstmals im deutschen Sprachraum auf. Nachdem Freud seine Universitätskarriere 1882 aufgegeben hatte, musste er seine Forschung in der eigenen Praxis betreiben. Auch benötigte er ein Verfahren, das an diesem Ort (im Gegensatz zu privaten Anstalten) anwendbar war. Er gab bald die Hypnose auf, da ihr Erfolg zu ungewiss war und sie ihm den »Einblick in das seelische Kräftespiel« verhüllte. Im Zusammenspiel dieser Motive erschuf er eine Methode, die den Patienten zum Mitforscher machte und damit seine langen und teuren Behandlungen rechtfertigte.
Ulrike Kistner (Pretoria), Philippe van Haute und Herman Westerink (beide Nijmegen) vertieften sich in die Differenzierungen, die sich ergeben, wenn man einen wissenschaftlichen Text in eine andere Sprache übersetzt. Sie arbeiten seit drei Jahren an dem Projekt, Freuds Erstfassung der Drei Abhandlungen ins Englische zu übertragen und dabei historisch und systematisch zu kontextualisieren. Eines der Probleme, das Kistner vorstellte, war die schwierige Wiedergabe der vier Phänomene »Saugen«,