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Das Verhältnis Walter Benjamins zur Psychoanalyse ist nicht einfach. Zwar diskutiert er in seinem späten Essay Über einige Motive bei Baudelaire von 1939/40 Freuds Konstruktion aus Jenseits des Lustprinzips und der Notiz über den Wunderblock, wonach entweder eine Erinnerung stattfinde oder eine Bewusstmachung, beides gleichzeitig aber nicht möglich sei. Aber Benjamin weitet diesen Vorgang dann auf das Ich als synthetisierende Instanz insgesamt aus, wo Freud nur vom Bewusstsein im Zusammenhang mit der Großhirnrinde als Reizschutz redet; was dagegen mit den Impulsen aus dem Inneren stattfindet, wird nicht bedacht. Daran wird eine Lesart deutlich, die sich zwar auf Freud bezieht, aber dessen Begriffe auch aus ihren Kontexten entwendet. Schwieriger noch gestaltet sich der Nachweis von Benjamins früher Freud-Lektüre. Es finden sich zwar fünf Titel in seinem Verzeichnis gelesener Schriften, aber der erste Teil der Liste ist verschollen. Die Lektüre aus den Jahren 1912 bis 1916 ist nicht erhalten; die Aufzeichnung setzt im Jahre 1916/17 erst mit der Nummer 461 ein. Man muss aber auch hier davon ausgehen, dass Benjamin sich Freuds Denkfiguren aneignet und das auch wieder in seinem Sinne zur Unterstützung der eigenen Überlegungen. Das gilt insbesondere im Zusammenhang mit dem Gedächtnis und dem Schock.
Werner widmet sich in ihrer Arbeit dem Komplex des Kindheitsbuches Benjamins. Dieser umfasst die beiden Texte Berliner Chronik (von ) und Berliner Kindheit um Neunzehnhundert in verschiedenen Zusammenstellungen von 1932/33 und bis 1940 sowie die entsprechenden Materialien; frühe Stücke erschienen bereits 1928 in der Einbahnstraße und wurden Mitte der 1920er Jahre geschrieben. Eine Veröffentlichung der Texte als zusammenhängendes Buch in einer letzten Version gelang Benjamin zu seinen Lebzeiten nicht. Die Forschung ging bislang davon aus, dass er in der früheren Chronik seine eigenen Erinnerungen noch deutlich mit theoretischen Überlegungen verband. Diese fielen dann in der weit