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Die Geschichtsschreibung zur Psychoanalyse und Psychotherapie vor Freud beginnt meist zu Beginn des 19. Jahrhunderts
mit dem Mesmerismus oder auch Johann Christian Reil und beschreibt den Umgang mit verschiedenen seelischen Erkrankungen in den Jahrhunderten davor durch Theologie, Philosophie und Medizin nur äußerst knapp. In diese Vorzeiten mehr Licht zu bringen - zumindest für die Periode ab der Reformation -, ist das Anliegen dieser Arbeit.
Der Autor, André Knote, der sich kurz nach Fertigstellung seines Werkes, 34-jährig, das Leben nahm, untersucht in seiner Dissertationsschrift vor allem die Schritte von der »geistlichen Seelenkur« hin zu psychologisch-ärztlichen Konzepten am Ende des 18. Jahrhunderts anhand zahlreicher Quellen aus theologischen, philosophischen und medizinischen Schriften. Dabei steht der schrittweise Bedeutungsübergang und die Kompetenzverschiebung für geistige Erkrankungen von religiösen zu ärztlichen Heilern im Mittelpunkt.
Nach der Medizinalordnung des 17. Jahrhunderts war der Seelsorger für die geistigen Leiden zuständig, der Arzt für die körperlichen. Mit der zunehmenden Hinwendung zur Einzelseele und deren Eigenverantwortlichkeit für das eigene seelische Wohlbefinden seit der Lutherzeit taucht auch der Begriff der »Seelenkur« auf. In seiner pietistischen Bedeutung ruft er zu kritischer Selbstprüfung auf und hält Jesus Christus für den eigentlichen Seelenarzt. Anhand von Auszügen aus den Schriften von Spener, Francke und Marperger wird dieser Umgang mit seelischem Leiden - vor allem der Melancholie - belegt.
Mit dem Eindringen des Rationalismus in die theologische Wissenschaft Ende des 17. Jahrhunderts kommt es zu hin- und herwogenden Konflikten zwischen der Offenbarungstheologie und der Vernunftlehre. Vor allem die Schriften von Christian Thomasius und Christian Wolff stellen die alleinige Zuständigkeit der Geistlichen und der Heiligen Schrift für die Seele infrage, öffnen den Weg zu einer »philosophischen« und später einer »psychologisch