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Der Sammelband der DFG-Forscher_innengruppe »Kulturen des Wahnsinns. Schwellenphänomene der urbanen Moderne 1870-1930« geht auf den Workshop »Wahnsinn und Methode« in Lübeck 2013 zurück. Während sich die ersten beiden Sammelbände1 der Forscher_innengruppe den Ausgestaltungen des großstädtischen Wahnsinns, verstanden als vielfältige Formen psychischer Alterität, ihren Lesarten und Umgangsweisen widmeten, verweist bereits der Titel des dritten Bandes Das psychiatrische Aufschreibesystem auf die am Zustandekommen der Überlieferungen beteiligten Tätigkeiten. In logischer Sukzession geben diese gleichsam als impliziter »Kern der psychiatrischen Methodenlehre« (S. 17) die Kapitelstruktur des dritten Bandes vor: Notieren, Beobachten, Schreiben, Aufmerken/Sortieren. Zum psychiatrischen Aufschreibesystem, verstanden im Sinne Friedrich Kittlers (Aufschreibesysteme 1800-1900. München ) als Techniken und Verfahren der »Herstellung, Adressierung, Speicherung und Verarbeitung von Daten« (S. 7), liegen zahlreiche Einzelarbeiten aus den letzten Jahren vor. Insofern exploriert der Sammelband kein neues Forschungsfeld, sondern repräsentiert den aktuellen Forschungsstand. Das psychiatrische Aufschreibesystem materialisiert sich in der Patientendokumentation, die von einigen Kliniken und Anstalten als Krankenakten überliefert ist. Die DFG-Forscher_innengruppe und die Mehrzahl der im Band versammelten Beiträge beschäftigen sich mit historischen Krankenakten aus der Psychiatrischen und Nervenklinik der Berliner Charité, weitere Orte sind die