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In jedem Land, in dem sie Fuß fasste, hatte die Psychoanalyse ihre besondere Geschichte, bedingt durch zufällig-persönliche wie durch nationale Faktoren. Das gilt auch für die Entwicklung in der Schweiz, die im Zentrum dieses Hefts steht. Dabei liegt der Akzent auf den Jahren ab 1919, als die freudianische Tradition nach der Zäsur der Jung-Krise wieder auflebte. Der spannungsreiche Verlauf dieses Neuanfangs hatte einerseits viel mit der Eigenart seiner Protagonisten Oskar Pfister und Emil Oberholzer zu tun, war aber auch mitbedingt durch eine typisch schweizerische Abneigung gegen zentralisierende Bestrebungen, ob auf nationaler oder internationaler Ebene. So blieb die Psychoanalyse in diesem europäischen Kernund Brückenland lange bemerkenswert schwach organisiert und in einer Distanz zur Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV).
Schon die Umstände, unter denen die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa) im Februar 1919 aus der Taufe gehoben wurde, waren schwierig. Hanns Sachs, der sich in der Schweiz als »Mittelsmann« der IPV-Zentrale zu etablieren suchte, wollte den neuen Verein torpedieren, weil er ihn nicht als Repräsentanten der wahren Psychoanalyse empfand. Er berichtete darüber in Briefen an Freud, die Michael Schröter ausgewertet hat. In ihnen zeigt sich zugleich, wie Sachs, der Jurist, zum ersten Laienanalytiker stricto sensu wurde. - Schon 1928 erlebte die SGPsa eine schwere Krise. Acht ärztliche Mitglieder traten aus und gründeten eine Schweizerische Ärztegesellschaft für Psychoanalyse - die wegen Nicht-Anerkennung durch die IPV zum Scheitern verurteilt war. Die Geschichte dieser Gesellschaft wird von Thomas Kurz anhand eines umfassenden Archivmaterials nachgezeichnet. Kurz betont, dass die Entscheidung zur Nicht-Anerkennung im Wesentlichen vom IPV-Präsidenten Eitingon getroffen wurde und das noch ehe das »Memorandum« zur Begründung der Sezession bei ihm angelangt war. Nach seiner Einschätzung spielte bei der Abspaltung ein Widers