You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Am 8. August 1913 war die Psychoanalyse in London beim 17. International Congress of Medicine, Sektion XII Psychiatrie, Diskussionsgegenstand. In der Folge trat Freuds Feindschaft gegen Janet offen zutage. Freud war als Vertreter der Psychoanalyse zum Kongress eingeladen worden. Ihm gegenüber sollte sich Pierre Janet, international als Kenner von Psychologie und Psychotherapie in Geschichte und Gegenwart bekannt, kritisch zur psychoanalytischen Lehre äußern. Freud lehnte die Einladung ab.
Er hatte es bereits 1907 abgelehnt, beim 1. Internationalen Kongress für Psychiatrie und Neurologie in Amsterdam mit Janet zusammen aufzutreten (siehe Ellenberger , S. 1065-1067). Seine Stelle nahm dann C. G Jung ein. Freud schrieb nach Zürich (Freud u. Jung , S. 35 f.): »Es war offenbar auf ein Duell zwischen Janet und mir abgesehen, aber ich hasse Gladiatorenkämpfe vor dem edlen Pöbel, kann mich schwer entschließen, eine indifferente Menge über meine Erfahrungen abstimmen zu lassen«. In Amsterdam sollten am 4. September 1907 die modernen Theorien über die Entstehung der Hysterie thematisiert werden. Als Analysekritiker trat dort dann nicht Janet, sondern Gustav Aschaffenburg auf, und Freud plädierte bei Jung für »Schonungslosigkeit« im bevorstehenden »Waffengang« (Freud u. Jung , S. 36). Er äußerte Bedenken, als dieser noch vor dem Kongress nach Paris reiste, aber Jung beschwichtigte - seine Erfahrungen seien »pauvre« gewesen: »Ich habe Janet gesprochen und bin sehr enttäuscht. […] Von neuern Dingen, Sie inbegriffen, versteht er gar nichts.« Er sei »ein flacher Causeur und der Typus des mediokren Bourgeois« (Freud u. Jung , S. 74).2 Am Kongresstag stellte dann Janet seine Auffassung der Hysterie vor. Aschaffenburg beschränkte sich auf eine Kritik der Psychoanalyse, warnte vor verfrühter