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In meinem Geburtshaus in Amsterdam, Herengracht 287, waren ab 1942 der deutsch-jüdische Psychiater Max Levy-Suhl und seine Frau Hildegard, geb. Perls1 untergetaucht. Offizieller Mieter war ab April des Jahres mein Vater Ybe van der Wielen, der mit seiner damaligen Freundin das Paar versorgte. Er hat nie viel über diese Periode seines Lebens geredet. So kannte ich nur den Vornamen seiner Freundin, Hildegard, wusste, dass sie aus Deutschland kam und dass sie »nach dem Krieg einen Amsterdamer Glashändler geheiratet hat«. Von Levy-Suhl wusste ich nicht viel mehr, als dass er Psychiater war und nach dem Krieg Selbstmord beging.
Um 2005 las ich einen Briefwechsel zwischen meinen Eltern aus dem Jahr 1947. Darin befand sich ein Brief, in dem mein Vater von einem Besuch bei Max Levy-Suhl am 21. September 1947 berichtete. Da dieser damals also noch am Leben war, fragte ich mich, wann genau »nach dem Krieg« er sich umgebracht hatte. Im Amsterdamer Stadtarchiv eruierte ich, dass sein Tod am 26. September 1947 »festgestellt« worden war. Weiter ging meine Suche zunächst nicht.
Als ich mich Ende 2015 in die mit meinem Geburtshaus verbundene Untertauchgeschichte vertiefen wollte, entdeckte ich zu meiner Überraschung, dass 2014 auf Niederländisch wie auf Deutsch einiges über Levy-Suhl publiziert worden war. Für dieses neue Interesse war mein Landsmann Harry Stroeken verantwortlich, der mit zwei deutschen Kollegen, Ludger M. Hermanns und Michael Schröter, Levy-Suhls Leben und seine Bedeutung für die Geschichte der Psychoanalyse erforschte.2 Der deutsche Aufsatz endet mit der Bemerkung: »Max Levy-Suhl hat als einziger der drei deutsch-jüdischen Psychoanalytiker, die 1933 nach Holland emigrierten, den Krieg überlebt.« Und Stroeken schreibt in seinem Buch, das Ehepaar sei während der deutschen Besatzungszeit »wahrscheinlich irgendwo untergetaucht«, aber wo und wie sei nicht bekannt.
Das »Wo« ist also jetzt geklärt: Es war das Haus Herengracht 287, 1. Stock. Das »Wie« wird sich wo