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Der Berner Christian Müller (1921-2013), gewesener Ordinarius für Psychiatrie an der Universität Lausanne im französischsprachigen Teil der Schweiz, erzählt sein Leben. Enkel eines in Bern privat niedergelassenen, aus einer deutschen Apothekerfamilie stammenden »Nervenarztes« und Sohn von Max Müller, der zuerst als Direktor der psychiatrischen Klinik Münsingen und dann Ordinarius für Psychiatrie an der Universität
Bern es verstanden hatte, eine psychoanalytische Ausbildung in der Art der Pionierzeit Freuds mit dem Ausbau der somatischen Behandlungsmethoden (zuerst Insulin- und Elektroschock, dann Neuroleptika und Antidepressiva) zu verbinden, erreichte Christian Müller in viel jüngeren Jahren den gleichen beruflichen Status wie sein Vater, den er auch an internationaler beruflicher Ausstrahlung vielleicht noch übertraf. Nur die ersehnte Rückkehr in die Heimatstadt Bern und die Möglichkeit, an einer Universität in der Muttersprache zu unterrichten, blieb ihm versagt. Während er sich das Französische fast fehlerfrei angeeignet hatte, bedauerte er immer, dass ihm das für das Englische mit seiner Bedeutung für die internationalen Beziehungen nie ganz gelungen war.
Die ersten Kapitel seiner Erinnerungen sind für heutige Psychiater besonders interessant, weil sie die katastrophalen Zustände in der klinischen Psychiatrie noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anschaulich darstellen, deren Verbesserung ein lebenslanges Anliegen des Autors blieb. Er hatte zwar eine psychoanalytische Ausbildung gemacht und war Mitglied der Sigmund Freud verpflichteten Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse geworden, mit dem Bericht über die erfolgreiche psychotherapeutische Behandlung eines schwer chronisch psychotischen Patienten der Klinik Cery/ Lausanne. Diese heroische Therapie begründete den internationalen Ruf von Christian Müller, der Wert darauf legte, seinen wissenschaftlichen Weg unabhängig von seinem Vater zu gehen. Er fand eine Stelle als Assistenzarzt in der psyc