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Arthur Kronfeld gehört zu den führenden Psychiatern, Psychotherapeuten und Sexuologen der Zwischenkriegszeit. Seinem Band Das Wesen der psychiatrischen Erkenntnis hat er als Motto das Zitat »Auf die Möglichkeit der Synthese kommt es an …« des Botanikers Camillo Karl Schneider vorangestellt.1 Die sich darin ausdrückende Maxime, Ansätze verschiedener Autoren, Denkrichtungen und Disziplinen miteinander zu verknüpfen, war bei Kronfeld Programm und zielte auf eine unorthodoxe Synthese, die als dynamischer Eklektizismus verstanden werden kann. Mit seiner beständigen Suche nach Anschlussstellen und Erweiterungen ist Kronfeld auch innerhalb der oben genannten Fächer schwer auf eine klar umrissene Position festzulegen. Das bemerkten schon seine Zeitgenossen, so beispielsweise bei seiner wohl ersten Aufmerksamkeit erregenden Arbeit Die psychologischen Theorien Freuds und verwandte Anschauungen von 1912, die den Beginn eines zwanzigjährigen, von Ambivalenzen geprägten Prozesses der Annäherung an die Psychoanalyse markierte, aber von Freudkritikern (Max Isserlin) als glänzende Widerlegung und von Psychoanalytikern (Freud) als arrogante Ablehnung dieses Denkgebäudes verstanden wurde. Kronfeld widersetzte sich damit einerseits verkürzenden Vereinnahmungen, andererseits hilft diese Grundhaltung zu erklären, dass so wenig neuere Arbeiten in deutscher Sprache über ihn vorliegen. Denn obgleich er ein breites publizistisches Œuvre hinterließ und auf eine umfangreiche inner- und außeruniversitäre Lehrtätigkeit verweisen konnte, hatte Kronfeld keine sich auf seinen Denkstil beziehende Schule gebildet. Die Emigration zunächst in die Schweiz, später in die Sowjetunion - wo seine Arbeiten zur Schizophrenie noch heute bekannt sind - beförderten das Vergessen in Deutschland.
Dass Arthur Kronfeld hier nicht gänzlich aus dem Bewusstsein verschwand, ist der Beharrlichkeit des 2013 verstorbenen Augsburger Psychotherapeuten Ingo-Wolf Kittel zu verdanken. Er hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht,