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Zum 30. Jubiläum hat sich das Symposion praktisch selbst ein Geschenk gemacht: Zum ersten Mal wurde ein Gastredner für den Auftakt der Veranstaltung aktiv eingeladen. Michael Schröter begründete diese Neuerung zwar damit, die Attraktivität des Symposions erhöhen zu wollen, aber man kann nicht wirklich sagen, dass es dies nötig hat. Wie bereits im letzten Jahr gab es durchgehend gut ausgearbeitete Vorträge, die wenig von dem Werkstattcharakter hatten, der früher oft das Symposion prägte. Da der Werkstattcharakter jedoch ein Erkennungsmerkmal des Symposions sein sollte, muss man sich fragen, ob es im 30. Jahr doch langsam aus seiner Schale herauswächst und seine Muster ändert.
Der Ehrengast des Symposions war Richard Skues aus London, der detektivisch der Frage nachging: »Wer war die ›Heldin‹ in Freuds ›Ein Fall von hypnotischer Heilung‹ ?« Da der Vortrag in Luzifer-Amor abgedruckt wird (siehe oben in diesem Heft), sei hier nur so viel gesagt, dass es Freuds Frau Martha nicht war. Stefan Goldmann und Albrecht Hirschmüller, die sich beide ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt hatten, kommentierten den Vortrag. Beide hatten andere Personen hinter der Patientin Freuds vermutet und mussten zugestehen, dass Skues’ Recherche in der näheren Bekanntschaft Freuds in Wien eine schlagend plausible Antwort ergeben hat.
Der Historiker Ingo Harms aus Oldenburg hatte sich mit »Krankenmord und Psychoanalyse. Das ›Göring-Institut‹ und seine Verbindung zur NS-›Euthanasie‹« ein bedrückendes Thema vorgenommen, das er anhand der vorliegenden Forschungsliteratur aufarbeitete. Mit einem Haushaltsplan des sogenannten Göring-Instituts von 1944 konnte Harms belegen, dass ein Großteil der Zahlungen für das Institut von der Wehrmacht kam. Die Poliklinik des Instituts war eine Verteilungsund Sichtungsstelle für »nicht« und »schwer therapierbare« Kinder, deren Schicksal von der Selektion abhing. Der Psychoanalytiker Gottfried Kühnel sprach sich dafür aus, beide Gruppen zu behandeln, und wollte so d