You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Nach der Erstveröffentlichung im Holländischen liegen nun Freuds 76 Briefe an die niederländische Analytikerin Jeanne Lampl-de Groot (1895-1987) im originalen Deutsch vor. Die Transkription wurde von Gerhard Fichtner zur Verfügung gestellt. Zusätzliche Informationen lieferten Jeannes Tochter und Schwiegersohn. Lampl-de Groots eigene Briefe wurden von Anna Freud vernichtet, weil, wie diese ihr am 21. Dezember 1939 schrieb, »ich weiss, dass Du das am liebsten willst« (S. 11 und 26). Es bleibt offen, ob dieser Wunsch direkt ausgesprochen oder nur von Anna supponiert worden war.
Zusätzlich enthält die Ausgabe eine knappe Einleitung, eine Kurzbiographie Lampl-de Groots, ausgewählte Stellen aus Briefen an ihre Eltern und ein neues Nachwort von Joachim F. Danckwardt, sowie dankenswerter Weise auch 34 Photos.
Drei große Themen ziehen sich durch Freuds Briefe, erstens ungewöhnlich häufige und offene Berichte über seine Krankengeschichte und die Arbeit an seiner Prothese, zweitens Lampl-de Groots Analyse und »Nachanalysen« bei ihm, und drittens ein recht indiskreter Austausch über Jeannes Ehemann, Hans Lampl, selber Psychoanalytiker, immerhin ein Mitglied des erweiterten Familienkreises um Freud, sowie Freund und Bergkamerad von Freuds Sohn Martin.
Es handelte sich bei ihm um wiederkehrende »Reizzustände« (S. 85) und »Anfälle«, »deren Intensität weit über das hinauszugehen scheinen [sic], was man der Neurose zutraut« (S. 69). Neben einem »überschwänglich[en]« Optimismus (S. 84; manische Zustände?) war Hans vor allem auf Freud schrecklich eifersüchtig (S. 74 und passim). Freud reihte ihn unter »unsere paranoischen Fälle« ein (S. 109). Seine Analyse bei Hanns Sachs schien keine entscheidende Besserung zu bringen.
Freud reagierte einerseits mit Rückzug von Lampl und Intoleranz: »Der gefürchtete Anruf ist also gestern nicht gekommen« (S. 106); »Ich muß mich doch von ihm fernhalten« (S. 107); »Ich werde so intolerant gegen den Hans, wie man es sonst gegen Patienten wird, wenn sie nic