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Ab dem dritten Jahr des Ersten Weltkriegs bis Ende 1918 machte Sigmund Freud regelmäßig Einträge in Exemplare von »Prochaska's Familien-Kalender«, einem vorgedruckten, mit reichlich Beiwerk und Illustrationen versehenen Jahreskalender. Die stichwortartigen Notizen betreffen auch die zentralsten allgemein-politischen
Wendungen des Krieges, in erster Linie aber verzeichnet Freud Familienereignisse: das Kriegsschicksal der Söhne (Erkrankungen und Verwundungen, wechselnde Einsatzorte, Beförderungen und Dekorationen, Besuche in Wien), Erkrankungen in der Familie zuhause sowie ausgewählte Besucher in Wien und eigene Reisen, v.a. im Sommer, An- und Abreisetage. Hinzu kommen, so als gehörten auch diese zur Familie, Daten von Fertigstellung, Druck und Auslieferung wichtiger eigener Schriften. Die Dichte der Einträge schwankt erheblich, in manchen Monaten findet sich nur ein einziger, in anderen erheblich mehr, meistens fünf bis zehn; es scheint, als habe Freud stark selektiert, was einen Eintrag wert ist, oder auch, als hinge die Führung des Kalenders stark von der jeweiligen Stimmung ab. Die Einträge sind, wie gesagt, nüchtern vermerkt und sehr kurz in der Form von Notizen, die als Erinnerungsstütze dienen, sicher nicht an Außenstehende gerichtet und so auch oft nicht ohne weiteres verständlich.
Diese Form - man weiß nicht sogleich genau: einer Chronik, eines knappen Tagebuchs…? - ist unter den Verzeichnissen und Kalendern, die von Freud überliefert sind, einzigartig; sie ähnelt am ehesten der »Kürzesten Chronik« von 1929-1939. Besonders bemerkenswert erscheint mir (und den Herausgebern wohl auch) Freuds Verwendung jenes »volksnahen praktischen und unterhaltsamen Kalenders für die ganze Familie« (S. 22): Jedem Monat sind drei Seiten gewidmet, die erste führt Namenstage und religiöse Feiertage auf, die zweite enthält das Kalendarium, in das Freud seine Notizen machte, und die dritte Platz für freie Einträge, was Freud nicht nutzte; dem folgt jeweils eine Seite mit zwei Bild