You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es ist eine glückliche Koinzidenz, das innert eines Jahres die Biographie von Maren Holmes über Paula Heimann und die von Margret Tönnesmann herausgegebenen Vorträge und Aufsätze Heimanns 1942-1980 erschienen sind. »Spät kommt Ihr« - es sind immerhin 35 Jahre her seit dem Tod der deutschenglischen Psychoanalytikerin - »doch Ihr kommt«. Der innere Zusammenhang der zwei Neuerscheinungen lässt mich beide Bücher in einer Rezension besprechen.
Paula Heimann steht, wie Holmes in der Einleitung ihres Buches zu Recht schreibt, in der internationalen zeitgenössischen Psychoanalyse für »die Konzeptualisierung der Gegenübertragung als Erkenntnisinstrument in der Psychoanalyse«. Sie fasste - 1949 auf dem Zürcher IPV-Kongress - als Erste das heiße Eisen an, vor dem selbst Freud sich scheute. Heimann machte aus ihrem Fund keine eigene Schule. Er führte allerdings zum Austritt aus der Klein-Gruppe und zur Formulierung einer eigenen Position, in bekanntlich guter Gesellschaft bei den Independents mit Wilfred Bion und Donald Winnicott.
Holmes zielt mit ihrem Buch nicht nur auf die biographische Darstellung des Einzelschicksals und der Einzelleistung von Paula Heimann; die umgebende Zeitgeschichte, die Gruppen- und Institutionsgeschichte sowie die Geschichte der Theorie bilden die Rahmenerzählung dieser Biografie: Die deutsche Psychoanalyse vor, während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sowie der Beginn ihres Wiederaufbaus nach dem Zürcher IPV-Kongress von 1949. Ausführlich kommt die zentrale Rolle Alexander Mitscherlichs zur Darstellung. Über ihn - Heimann war 1958-1959 seine Analytikerin - wurde Heimann in den 60ern zur »Patin« beim Aufbau des 1960 gegründeten Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts.
Im biographischen Teil werden die Entwicklungslinien von Paula Heimann umfassend belegt nachgezeichnet: Kindheit und Jugend in Danzig, Medizinstudium in Königsberg, Frankfurt/Main und Breslau, wo die geborene Paula Klatzko nach dem Staatsexamen den Studienkollegen Franz Heimann heir