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Ende 2017 - im Jahr von Wilhelm Reichs 120. Geburts- und 60. Todestag - ist dessen Buch Kinder der Zukunft erstmals auf Deutsch erschienen. Für psychoanalysehistorisch Interessierte lohnt sich die Lektüre aus mehreren Gründen.
Im Dezember 1929 kam es zu einem Schlagabtausch zwischen Reich und Freud auf einer der von Letzterem veranstalteten Diskussionsabende in Wien. Kernpunkt war Reichs Überzeugung, dass eine Prophylaxe sexueller und neurotischer Störungen ebenso nötig
wie möglich sei - eine Sicht, die auch Freud früher vertreten hatte. Nun jedoch wandte sich Freud heftig gegen Reichs Thesen, qualifizierte diese als angeblich »völlig unpsychologisch« ab. Kinder der Zukunft lässt sich lesen als Bilanz dessen, was Reich dem in der ihm verbliebenen Lebensspanne an Forschungen entgegensetzte. Denn dieses Buch ist nicht etwa in Gänze ein Spätwerk Reichs, sondern eine posthume, erstmals 1983 auf Englisch erschienene Zusammenstellung. Sie umfasst - jeweils unter abgewandeltem Titel, teils mit Änderungen im Text - den 1928 in der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik erschienenen Aufsatz »Über die Onanie im Kindesalter« (S. 131-135), das 1932 publizierte Buch Der sexuelle Kampf der Jugend (S. 149-194) sowie ein 1936 veröffentlichtes »Gespräch mit einer vernünftigen Mutter« (S. 137-147) und einen Auszug aus dem Interview, das Reich 1952 K. R. Eissler über Freud gab (S. 13ff.).
Den Hauptteil bilden allerdings in der Tat Ausführungen Reichs, die er ursprünglich in Buchform vorlegen wollte. 1949 hatte er das Orgonomische Kinderforschungszentrum (OIRC) gegründet. Inspirierender Hintergrund dafür war zum einen seine anhaltende Kritik gängiger Erziehungsmethoden: Bereits 1926 findet sich in der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik sein Beitrag »Der Erziehungszwang und seine Ursachen. «Zum anderen war er 1944 noch einmal Vater geworden und konnte nun zu seinem Sohn Peter ein liebevolleres Verhältnis aufbauen, als ihm dies bei seinen in den 1920er-Jahren geborenen Töch