You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Januar 2016 fand in Wien eine Tagung zum Thema »Psychoanalyse und Universität - Utopie und Realität« statt, deren Beiträge in diesem Buch zu lesen sind. Außerdem wird darin Sigmund Freuds Memorandum von 1918 »Soll die Psychoanalyse an der Universität gelehrt werden?« auf deutsch im Original veröffentlicht. Michael Schröter schildert als ausgewiesener Psychoanalysehistoriker Freuds Bemühungen um universitäre Anerkennung wie auch seine Feststellung gegenüber Abraham Brill (31), dass die Psychoanalyse nichts in der Universität verloren habe. Eugen Bleuler hatte im Unterschied zu Freud die Psychoanalyse stets im universitären Diskurs gesehen, wo sie sich auch gegenüber anderen psychiatrischen Lehrmeinungen behaupten könne. Ausführlich schildert Schröter Karl Abrahams und Siegfried Bernfelds gescheiterte Habilitationspläne in Berlin und kontrastiert dies mit der erfolgreichen Habilitation von Arthur Kronfeld, der weniger dogmatisch und eindeutig psychiatrisch identifiziert gewesen sei. Schröter übernimmt Bleulers Wertung, dass Freud mit seiner Skepsis gegen die Universität eine Art esoterische Isolierung der Psychoanalyse gefördert habe. - Keine Erwähnung findet bedauerlicherweise Karl Wilmanns' Förderung psychoanalytischer Lehre an der Psychiatrischen Universitätsklink Heidelberg (unter anderem durch Frieda Fromm-Reichmann und Karl Landauer). Für Wilmanns war die Psychoanalyse eine anerkannte Methode psychiatrischen Lehrens und Forschens - unabhängig von berufspolitischen Festlegungen.
Die anderen Beiträge schildern aktuelle psychoanalytische Forschungen an Universitäten, der Neuropsychoanalytiker Mark Solms die Verbindung mit den Naturwissenschaften, die Psychoanalytikerin Marianne Leuzinger-Bohleber die Psychotherapieforschung, deren Relevanz für aktuelle klinische Fragen sie eindrucksvoll belegt. Aktuell nur mit Drittmitteln finanziert finden große Forschungen zu Psychotherapien bei depressiven Erkrankungen statt, aber auch Studien über die psychopathologische Befi