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Maik Tändler hat als Promotionsarbeit eine umfangreiche Studie über den »Psychoboom« der siebziger Jahre vorgelegt. In drei Hauptteilen fragt er nach der Verwissenschaftlichung des Selbst, der Befreiung des Selbst und der Demokratisierung des Selbst im Zeitraum der erweiterten siebziger Jahre. Der Aufbau entspricht der Perspektive der historischen Beschreibung des in älteren Forschungen als »Lebensstilwandel« bezeichneten Durchbruchs eines therapeutischen Diskurses und seiner Praxis in den siebziger Jahren. Die »Verwissenschaftlichung des Sozialen« (Lutz Raphael) verband sich mit dem politischen und kulturellen Umbruch der sechziger Jahre.
In einem ersten Teil behandelt der Autor die Gesellschafts- und Kulturgeschichte der psycho-wissenschaftlichen Disziplinen und Professionen (Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychologie), die sowohl eine Ausweitung wie auch Politisierung erfuhren. Am Ende der siebziger Jahre mündete diese Entwicklung wieder in einer Entpolitisierung im Rahmen der eigenen Professionalisierung.
Der zweite Teil fragt nach der Aufnahme und der Instrumentalisierung des »Psychowissens« als einer gesellschaftspolitischen Nutzanwendung. Hier wird in einer dichten Beschreibung versucht, die Therapeutisierung im Gefolge von intellektuellen Debatten und dem linken politischen Protest der Studentenbewegung seit den späten 1960er-Jahren zu beschreiben. Als Startpunkt für das »therapeutische Jahrzehnt« gibt Tändler das Jahr 1967 an, in dem die analytisch-tiefenpsychologische Psychotherapie in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen wurde, das Buch »Die Unfähigkeit zu trauern« von Alexander und Margarete Mitscherlich erschien und in West-Berlin die Kommunen 1 und 2 als praktizierte antiautoritäre Psychopolitik in Funktion traten.
Gerade das Verhalten gegenüber dem Nationalsozialismus schien ein Prüfstein für eine »politische Psychologie« zu sein, die sich Aufklärung und Vergangenheitsbewältigung auf die Fahnen geschrieben hatte. Tändl