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Meine Damen und Herren,
diese Festsitzung gilt dem zehnten Jahrestage des Bestehens der »Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung in der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung«, also einer wissenschaftlichen Organisation, in der sich Vertreter der von Sigmund Freud begründeten Wissenschaft der Psychoanalyse zu gemeinsamer Arbeit und wissenschaftlichem Meinungsaustausch zusammengeschlossen haben. Sie gilt zugleich dem gleichen Jubiläum des von unserer Vereinigung aufgebauten und unterhaltenen »Berliner Psychoanalytischen Institutes«, das nach Namen und Aufgabenkreis die Tradition des 1920 begründeten alten Berliner Psychoanalytischen Institutes, das der feindseligen Haltung des Naziregimes gegenüber der Psychoanalyse zum Opfer gefallen war, wiederaufgenommen hat und weiterführt, nämlich die Ausbildung junger Ärzte und sonst von ihrer Wissenschaft her an der Psychoanalyse interessierte Akademiker in diesem Fach theoretisch und praktisch auszubilden.
Psychoanalyse ist eine empirische Wissenschaft: eine psychologische Forschungsmethode zugleich eine therapeutische Methode zur Behandlung von Krankheit und eine Theorie, die die Funde und Ergebnisse dieser Methode ordnend zu bewältigen versucht. Wie kaum ein anderes Wissenschaftsgebiet, ist sie in ihrem ursprünglichen Kern das Werk eines genialen Mannes: Sigmund Freud.
Die ersten entscheidenden Funde Freuds - die Existenz unbewußter seelischer Vorgänge, die Entdeckung der Sinnhaftigkeit von Krankheitssymptomen, der Abwehrmechanismen gegen realitätswidrige oder als realitätswidrig erscheinende, angstbesetzte Impulse, das Verständnis der neurotischen Symptome als Ausdruck mißlungener oder durchbrochener Abwehr, die zentrale Bedeutung des Trieb- und Affekterlebens für die Entwicklung des Menschen, die grundlegende Rolle der Erlebnisse in den zwischenmenschlichen Beziehungen der frühen Kindheit für Charakterbildung und seelische Reifung - alle diese Ergebnisse der erstaundlichen