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Am 6. Mai 1886 feierte der Wiener Arzt und Privatdozent Sigmund Freud seinen 30. Geburtstag. Vom 9. August bis 9. September wurde er als Ober-Militärarzt der Reserve zur »Militärübung mit Waffen« zum 15. Infanterie-Bataillon der Landwehr in Olmütz einberufen. Über seine militärische Karriere berichten Vermerke im Konduit-Verzeichnis des Wiener Kriegsarchivs. Freud wird hier beschrieben als Mann mosaischer Konfession, 169,5 cm groß, dunkelhaarig und dunkeläugig, mit ebenmäßigen Gesichtszügen, mit eingezogener rechter Schulter, mit ausgezeichneten Kenntnissen des Deutschen, Englischen, Spanischen und Französischen, mit schwächerer Körperkonstitution, doch vollkommen gesund und des Feldeinsatzes tauglich. Eingezogen wurde er am 25. Oktober 1875 als Militärarzt-Eleve. Im Jahr 1876 wurde er zweimal kurz in Bosnien eingesetzt, vom 1. September 1879 bis 30. September 1880 leistete er seinen einjährigen Militärdienst im Garnisons-Spital Nr. 1 in Wien ab. Seinen 24. Geburtstag verbrachte er im Garnisonsgefängnis. Am 1. Dezember 1880 wurde er als Militärarzt der Reserve dem 6. Garnisonsspital in Olmütz-Kloster Hradisch, am 31. Dezember 1885 dem 15. Landwehr-Bataillon in Olmütz zugeteilt. Wie der Begründer der Psychoanalyse seine Zeit während der Olmützer Manöver verbrachte, erfahren wir aus seinem Brief an den befreundeten Wiener Arzt Josef Breuer vom 1. September 1886, in dem es heißt, das einzig Erträgliche in Olmütz sei Hirschs Caféhaus (wahrscheinlich das heutige »Caffe Opera«) auf dem Oberring »mit Eis, Zeitungen und gutem Gebäck«. Freud macht sich über die Armee lustig, die Manöver ekeln ihn an. »Wir spielen immer Krieg, einmal sogar Festungsbelagerung, und ich spiele dabei Sanität und teile Zettel aus, auf denen greuliche Verwundungen verzeichnet sind.« Vier Tage nach seiner erneuten Entlassung zur Reserve am 13. September 1886 heiratet Freud in Hamburg Martha Bernays - nach einem viereinhalb Jahre währenden Verlöbnis, während dessen die beiden an die 1500 Briefe wechs