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Siefried Bernfeld ist bis heute eine umstrittene, aber eindrucksvolle Figur. Seine Bewertung fällt recht unterschiedlich aus.
Der Herausgeber seiner aktuellen Werkausgabe, Ulrich Herrmann, beurteilt ihn folgendermaßen (Bd. 1, S. 284): »Siegfried Bernfeld war kein orthodoxer Freudianer und diskutierte die Psychoanalyse auch methodisch kritisch von seinem marxistischen Standpunkt aus, auf dem Gebiet der Erziehung neigte er eher der Position von Alfred Adler zu, als studierter Biologe begab er sich auf das Grenzgebiet der Psychophysiologie.«
Sein erster Biograf, Peter Dudek, meint (, S. 9, 11), Bernfeld sei disziplinär kaum zu verorten. Man könne ihn »einen Psychoanalytiker, einen Pädagogen, einen Soziologen, Naturwissenschaftler, einen Kindheits- und Jugendforscher, einen Wissenschaftstheoretiker oder einen Zionisten nennen […]. Man wird Bernfeld nicht gerecht, wenn man sein Werk auf seine angeblich alleinigen Referenzautoren Freud und Marx reduziert. Das ist natürlich nicht falsch, aber bei weitem nicht erschöpfend.«
Die »1968er«, die Bernfeld in der damaligen Kinderladenbewegung entdeckten und eine erste Ausgabe seiner Schriften besorgten, nannten ihn einfach »Freudo-Marxist«.
Heute kann man sich ein umfassenderes Bild von ihm machen, da Ulrich Herrmann seine Werke in 12 Bänden im Verlag Psychosozial unter Mithilfe vieler Wissenschaftler fast vollständig ediert hat. Mit dieser Ausgabe hat Bernfeld nach seinem Tod eine Karriere vom Außenseiter zum Klassiker der psychoanalytischen Theorie und ihrer Anwendung in Pädagogik und Sozialpädagogik vollzogen. Er wird heute für wichtiger gehalten als seine »geisteswissenschaftlichen Gegner« wie Theodor Litt, Hermann Nohl, Wilhelm Flitner und Eduard Spranger. Generell wird ihm der Status »eines exzentrischen Klassikers der Pädagogik und der Psychoanalyse« zuerkannt (Dudek , S. 35).
Bernfeld ist für den Zeitraum von 1925-1932 zusammen mit Wilhelm Reich, Erich Fromm und Otto Fenichel einem Kreis von Psychoanalytikern zuzurechen, die