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An biographischen Darstellungen, die das Leben Sigmund Freuds in deutender Absicht unter die Lupe nehmen, herrscht bekanntlich kein Mangel. Der Begründer der Psychoanalyse hatte ja auch selbst bereits zu Lebzeiten vielfach an eigenem Leib erfahren müssen, wie seine Lehren von seinen rebellischen und abtrünnigen Schülern auf seine eigene Person angewendet wurden. Kurz vor dem endgültigen Zerwürfnis mit dem Meister warf C. G. Jung 1913 diesem vor, selbst in einem »neurotischen Vaterkomplex« steckengeblieben zu sein und seine Schüler zu infantilisieren. In den seither ausgefochtenen Theorieschlachten innerhalb der Psychoanalyse hat das ad hominem-Argument, das die Gegner auf die Couch legt, seinen festen Platz. Es verwundert somit nicht, dass seit der ersten, von Fritz Wittels 1924 veröffentlichten Freud-Biographie dessen Leben überwiegend zum Kampfschauplatz geriet. Hagiographische Darstellungen, die dem Genie huldigten, wechselten dabei geradezu rituell mit ikonoklastischen, die durch das Aufdecken peinlicher Personalien aus Leben und Karriere Freuds problematische oder unwillkommene Aspekte seiner Theorien abzuleiten suchen, um sie so rasch erledigen zu können.
Die gut geölte Maschinerie der biographistischen Retourkutsche, die den Meister post festum auf die Couch zu legen trachtet, sieht man auch im neuen Buch des New Yorker Psychoanalytikers Joel Whitebook am Werk, das im Original mit der Gattungsbezeichnung »intellectual biography« versehen ist. Man ist beinahe versucht, dem Autor zu danken, dass er im Gegensatz zu anderen Verfassern missglückter Freud-Biographien jüngeren Datums davon absieht, sein Buch als Resultat vorgeblich neuer historischer Forschungen hinzustellen. Wie er frei bekennt, war ihm erst bei der zweiten intensiveren Lektüre von Freuds Schriften (die erste sei vor mehr als dreißig Jahren erfolgt) aufgefallen, dass die Mutter in dessen Theorie des Ödipuskomplexes so gut wie keine Rolle spiele und das Bild der weiblichen Sexualität dringend revisio