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Es handelt sich um eine im Jahr 2017 von der Universität Wien angenommene historische Dissertation, die Mitchell Ash verantwortlich betreut hatte. Ursprünglich war das Projekt breiter angelegt
und auf alle »voranalytischen« Schriften Freuds bezogen, vor allem auch auf die Beiträge zur Neuroanatomie. Klugerweise hat die Autorin sich angesichts des ausufernden Stoffes auf die Kokain-Thematik beschränkt, diese dafür sorgfältig ausgeleuchtet.
Sigmund Freud hat bekanntlich im Jahr 1884 eine Arbeit vorgelegt, in der er den aktuellen Kenntnisstand über die Wirkung der südamerikanischen Cocapflanze und des daraus seit 1860 dargestellten und als Arzneimittel distribuierten Cocains zusammentrug, dessen Wirkungen genau beschrieb und es für verschiedene Indikationen warm empfahl. Insbesondere seine Empfehlung des Mittels zur Hilfe beim Entzug vom Morphin fand Beachtung und Nachahmung. Jedoch ergaben systematischere Untersuchungen von Obersteiner, Erlenmeyer und anderen in der Folge, dass solche Behandlungen zwar wirksam, aber nicht unproblematisch waren, weil das Cocain Intoxikationspsychosen und eine eigene Sucht zur Folge haben konnte. Der Vorstellung Freuds, Cocain sei ein regelrechtes Antidot des Morphiums, wurde widersprochen, und seine Cocainschriften wurden von Kritikern herangezogen, ihn eines leichtfertigen Umgangs mit Drogen zu zeihen und ihm mangelnde methodische Sorgfalt und wissenschaftliche Unredlichkeit vorzuhalten.
Die bisherigen Forschungen zu diesem Themenkomplex zeichnen sich durch ein Missverhältnis zwischen vollmundigen Aussagen aus dem Lager mancher Freud-kritischer Forscher (z. B. Israëls 1993) und einem Mangel an wirklich quellengestützten Arbeiten aus. Die Neuedition der Freud'schen Kokainschriften (Freud 1996) hatte dem abzuhelfen versucht. Die Frage, wie Freuds Studie unter methodischen Gesichtspunkten zu bewerten ist, insbesondere wieweit sie zeitgenössischen Standards des Arzneimittelversuchs entsprach, ist aber in der bisherigen medizinhistorischen