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Die psychoanalytische Welt versammelte sich am 15. August 1949 in Zürich zum ersten internationalen Kongress nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie war elf Jahre zuvor, 1938 in Paris, von außen bedroht und innerlich zerstritten auseinandergegangen. Dazwischen lagen der Krieg, der Holocaust, die Vertreibung jüdischer PsychoanalytikerInnen durch das NS-Regime und nicht zuletzt Freuds Tod. Außerdem war das Ableben von 78 Mitgliedern der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung zu beklagen - darunter so bedeutende Figuren wie Ernst Simmel, Abraham Arden Brill, Max Eitingon und Otto Fenichel. Zum Gedenken an die 70. Wiederkehr dieses Zusammentreffens veranstalteten das Archiv zur Geschichte der Psychoanalyse, LUZIFER-AMOR, das Freud-Institut Zürich und das Psychoanalytische Seminar Zürich am 11. Mai 2019 im Zürcher Burghölzli ein Symposion. Die acht (überarbeiteten) Vorträge dieser Tagung bilden den Schwerpunkt des vorliegenden Hefts.
Zu Beginn beleuchtet Thomas Kurz die Krise der IPV in Paris 1938, als die Amerikaner die Europäer mit einer »Unabhängigkeitserklärung« konfrontiert hatten. Er schildert die Entstehungsgeschichte des Zürcher Kongresses sowie den damaligen Zustand der Schweizer Vereinigung, von der die Initiative zu der Zusammenkunft ausgegangen war, und konstatiert, dass 1949 sowohl in Bezug auf die Theorie als auch auf das Personal ein neues Zeitalter der Psychoanalyse, das Zeitalter post Freud begann. Nina Bakman gibt anhand des unveröffentlichten Briefwechsels zwischen Gustav Bally und Alexander Mitscherlich Einblick in die traumatisierte innere Befindlichkeit von Psychoanalytikern in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, während Susanne Kitlitschko den innerdeutschen Konflikt zwischen Carl Müller-Braunschweig und Harald Schultz-Hencke rekonstruiert, die »Querelles allemandes«, die sie auf ein Weiterwirken der in der Nazi-Zeit etablierten Kräfteverhältnisse zurückführt.
Die damaligen Kongress-Organisatoren waren explizit bestrebt, zur psychoanalytischen Nor