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Zwischen dem dritten und dem vierten Band der Brautbriefe liegt eine unsichtbare Lücke: Freud verbrachte den September 1884 bei Martha in Wandsbek. Was geschah in diesem verlorenen Intervall?
Der Wiederbegegnung war die längste Trennung während ihrer Verlobung vorangegangen. Es war eine Zeit voll hochfliegender Hoffnung und verzweifelter Angst gewesen. Freud beschrieb sich selbst als den Märchenriesen, dessen verletzliches Herz in einem kleinen Vogel weit weg in einem Käfig saß (Bd. 3, S. 487), und fühlte sich angegriffen von changierenden Feinden, die ihn von Martha trennten: »Seit zwei Jahren schlage ich mich mit dem Gesindel, das bald Fritz, bald Max, bald Eli, bald Mama heißt, um Dich herum« (Bd. 3, S. 490).
Martha ihrerseits war verwirrt durch die Heftigkeit und Verständnislosigkeit mancher seiner Briefe. Im vorangegangenen Jahr war sie einem regelmäßigen Zyklus von Krisen, gefolgt von Bitten um Verzeihung und Liebesbeteuerungen, ausgesetzt gewesen. Sie hatte ihre eigene, wohlbegründete Deutung des Problems: »es ist doch nur immer und immer Dein Mißtrauen, was uns beide so unglücklich macht« (Bd. 3, S. 504).
Es läuft auf den Unterschied zwischen dem gesprochenen und dem geschriebenen Wort hinaus. Martha fasste es so zusammen: »Wenn Du wirklich in fünf Wochen kommst, wie wird es uns sein, uns aussprechen zu können! Das Schreiben geht gar nicht mehr, ich sag immer zuwenig und Du sagst immer zuviel« (Bd. 3, S. 497). »Journeys end in lovers meeting«, hatte Freud vor drei Jahren aus Shakespeare zitiert (Bd. 1, S. 201). Und so endete ihre Reise im Flüstern und Sich-Berühren, das im Zusammensein der Liebenden geschieht, unbeobachtet und undokumentiert.
Der vierte Band, der von September 1884 bis August 1885 reicht, beginnt nach Freuds Rückkehr nach Wien. Irgendetwas hat sich verändert. Der Ton der wiederaufgenommenen Korrespondenz ist ruhiger, ausgeglichener.
Freud vertrieb sich die Zugfahrt nach Hause mit der Lektüre von Benjamin Disraelis Gesellschaftsroman Henrietta Tem