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Vieles ändert sich in Berlin, und das Symposion zur Geschichte der Psychoanalyse bekommt das auch zu spüren. Es tagte jetzt zum 10. Mal in Berlin, sah sich aber durch eine Mieterhöhung erstmals gezwungen, den Raum für den Großteil der Veranstaltung zu wechseln und zog um in den Vorlesungssaal des alten Psychiatriegebäudes der Charité. Da mit dessen historischem Flair leider eine heute ungewohnte Unbequemlichkeit einherging, wird das Symposion im nächsten Jahr erstmals in der IPU (International Psychoanalytic University) Berlin stattfinden. Michael Schröter und Thomas Aichhorn werden ihr Amt als Veranstalter dann abgeben, und Ludger Hermanns wird es zusammen mit Rainer Herrn, der dabeibleibt, übernehmen.
Der Ehrengast mit dem ersten Vortrag war diesmal Uffa Jensen, Historiker und Forschungsprofessor am Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Während seines Vortrages »Hat Sigmund Freud die Psychoanalyse erfunden? Eine globalgeschichtliche Betrachtung« beschlich viele Zuhörer das Gefühl, dass Historiker und Psychoanalysehistoriker aneinander vorbeireden und einander wenig kennen. Jensen versuchte die These zu begründen, dass die Psychoanalyse zeitgleich an vielen Orten auf der Welt entdeckt und praktiziert wurde und damit als globalhistorisches Phänomen zu betrachten sei, das nicht auf Freud reduzierbar ist. Er stützte sie auf die Beobachtung, dass u. a. E. Jones in London, G. Bose in Kalkutta und G. Groddeck und O. Juliusburger in Deutschland das gleiche System psychokarthatischer Praktiken anwandten. Da Jensen ausschließlich von der »psychokarthatischen Praxis« sprach, die vor allem aus Hypnosetechniken bestand, und nicht einbezog, dass mit Freuds Lehre vom Unbewussten und den Mechanismen seiner Abwehr etwas sehr wohl Spezifisches, nämlich eine Theorie von der Entwicklung der Persönlichkeit und der psychischen Erkrankungen, entstanden war, wirkte seine These wenig überzeugend. Seine Ausführungen erweckten überdies den Eindruck, als habe er die umfangreic