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Die Symbolik der Couch wird in unserer westlichen Welt seit Jahrzehnten mit der Psychoanalyse in Verbindung gebracht. Ein Werbeplakat der katholischen Kirche in der New Yorker U-Bahn mit der Abbildung einer leeren Couch und dem Text: »Manche Menschen finden die
gleiche Seelenruhe beim Sitzen in einer Kirchenbank. Kommen Sie Ostern nach Hause«, brachte den amerikanischen Psychoanalytiker Nathan Kravis dazu, sich über viele Jahre mit der symbolischen Bedeutung der Couch, diesem Sinnbild der Selbsterkenntnis, und der geringen Anzahl von Studien über die Bedeutung dieses Gegenstandes in der Analyse zu befassen. Er sammelte über Jahrzehnte nicht nur Cartoons und Karikaturen zur Thematik der analytischen Couch, sondern studierte auch Kunstgeschichte, Möbeldesign und Inneneinrichtung, las die Fachliteratur, die sich mit der Couch in der Psychoanalyse auseinandersetzte. So entstand schließlich diese Sozialgeschichte des Liegens und der kommunikativen Intimität von der Antike bis heute. In neun Kapiteln und unterlegt mit zahlreichen Abbildungen von Objekten des Liegens entwickelt Kravis in diesem schön gestalteten Buch die Entwicklung hin zur Couch bei Freud und in der Psychoanalyse.
Das Essen im Liegen beim griechischen Symposion oder römischen Convivium, anfänglich der Oberschicht vorbehalten, war Ausdruck von Luxus und Muße. Es war begleitet von Gesprächen und dem Klima einer kommunikativen Intimität. Eigenes Denken wurde in Gegenwart anderer Personen behauptet. Platons Schriften geben ein beredtes Beispiel davon. Aus der als Kline bezeichneten Lagerstatt wurde später die von uns genutzte Bezeichnung Klinik für das Krankenhaus. Mit dem Untergang des römischen Reiches verschwand die Kultur des Liegens in Gesellschaft. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam es mit der Entwicklung des Sofas zu einem Wiederaufleben des Gesprächs im Liegen. Die verschiedenen Polstermöbel wie Chaiselongue, Canapé, Sofa, Diwan oder Couch boten in den öffentlichen Räumen und Salons des Adels un