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Dass Kinder von Analytikern über ihre Eltern publizieren, ist eine Ausnahme. Haben Vater und Mutter die Entwicklung der Freud’schen Lehre mitgeprägt, kann von einem Glücksumstand gesprochen werden. Wurde die sich Erinnernde selbst Analytikerin, hat sie sich gar der Psychoanalysegeschichte zugewandt, ist erst recht über das Persönliche Hinausgehendes zu erwarten. All das ist beim Buch von Lore Reich Rubin gegeben.
1928 wurde sie in Wien geboren als Tochter von Annie und Wilhelm Reich. An die Arbeit des Letzteren anknüpfend, erlangte später auch Lores Schwester Eva (* 1925), die »sanfte Geburt« und bioenergetische Babymassagen propagierte, Bekanntheit.
Reich Rubins Aufzeichnungen bieten notwendigerweise subjektive, jedoch um Objektivität bemühte Reflektionen dieser außergewöhnlichen Familie. Dem Vater bescheinigt sie große Lebendigkeit, Überzeugungskraft und Mut, aber auch cholerische, egozentrische und manipulative Anteile. Bei der Mutter, die ihr lange Zeit engelsgleich erschien, erkannte sie allmählich depressive Züge, emotionale Blockaden und fehlende Mütterlichkeit.
Annie und Wilhelm Reich trennten sich bereits 1933. Reich Rubins Kindheit davor und danach war geprägt von dem Gefühl, ungewollt zu sein, und von der wiederholten Erfahrung, abgeschoben zu werden. 1938 ging sie mit Mutter und Schwester in die USA, hatte zum bald ebenfalls dort lebenden Vater nur selten Kontakt, der zudem unglücklich verlief. Als innerer, konfliktgeladener Bezugspunkt blieb er ihr erhalten. Wie Reich Rubin resümiert, hatte das Abfassen dieses Buches für sie daher auch therapeutische Aspekte, konnte sie doch ihre Eltern so noch ein Stück mehr loslassen.
Die Erinnerungen an eine chaotische Welt sind aber zugleich ihre - bis zu Wilhelm Reichs Tod 1957 fortgeführten - Memoiren. Wir lesen von ihren Lebensumständen am Ende der Weimarer Republik, im Austrofaschismus, von der Schwierigkeit, in den USA Fuß zu fassen, zumal sie auch hier mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert war. Die Freud’sche Lehr