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Die Freudsche »Kulturarbeit« differiert von dem heute gängigen Verständnis einer Kulturvermittlung an bestimmte Bevölkerungsgruppen und hat klinische, metapsychologische, kulturhistorische und politische Dimensionen.
Seine Auffassung von »Psychoanalyse als Kulturarbeit« (so der Buchtitel) konkretisiert der Psychoanalytiker Josef H. Ludin durch den Zusatz »Freud und die Nacherziehung des Menschen«.
Der Band versammelt zwanzig Vorträge vor meist psychoanalytischem Publikum im Zeitraum von etwa zwei Jahrzehnten. Die Reihenfolge der Texte lässt drei Schwerpunkte erkennen:
Erstens der analytische Prozess und epistemologische Aspekte seiner Grundbegriffe, zweitens kulturelle Rahmenbedingungen der psychoanalytischen Praxis, drittens geschichtsphilosophische Implikationen Freud’scher Konstruktionen. Der Band versteht sich nicht explizit als Beitrag zur Geschichte der Psychoanalyse, behandelt aber deren Geschichtlichkeit im Hinblick auf Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen der Psychoanalyse in einzelnen Ländern (bes. Frankreich), wahrende und beschränkende Funktionen psychoanalytischer Institutionen, Bedingungen für den Erhalt der Aktualität der Psychoanalyse.
Ludin sieht »die Psychoanalyse im Kern als eine Kulturarbeit, als eine Nacherziehung im Sinne der Sublimierung, als ein Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten« (S. 312). Sie sei eingereiht »in die großen Erziehungsaufträge der Menschheit« (S. 155), die zuerst von Religion, Philosophie und Wissenschaft entwickelt