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Ich sehe meine heutige Hauptaufgabe darin, zu klären und zu präzisieren. Sie wird mir erleichtert durch zwei eingehende Aussprachen mit Schultz-Hencke, die ich inzwischen hatte. Ihr Resultat war das gewohnte: Bei der praktischen Arbeit scheinen zwischen uns im Wesentlichen Unterschiede in der Einschätzung quantitativer Faktoren vorzuliegen, denn beide zweifeln wir nicht daran, dass in der Neurose aktuelle und infantile Motive zusammenwirken; es wurde uns aber auch klar, dass an einem gewissen Punkte Differenzen quantitativer Art sozusagen qualitativen Charakter annehmen.
Bekanntlich betont Freud immer wieder, dass die Frage: aktuell oder infantil? falsch gestellt ist, dass hier das beste Beispiel einer Ergänzungsreihe vorliegt: Wer schwer geschädigt aus der infantilen Sexualentwicklung hervorgegangen ist, der kann bei relativ irrelativem äußeren Anlass oder ohne einen solchen (etwa beim Eintritt in die Pubertät oder in das Klimakterium) neurotisch erkranken, der relativ Gesundgebliebene kann noch an schweren Traumen des späteren Lebens zusammenbrechen. Darin ist auch Schultz-Hencke mit Freud durchaus einer Meinung. Ich weiß nicht mehr so sicher, ob er auch so schnell zugeben wird, dass mit langsamem Verschwinden der Neurosen und Überhandnehmen der sogenannten »neurotischen Charaktere« in noch ungleich höherem Maße von ihrer Infantilität »beherrscht« werden, welcher Ausdruck allerdings erst im Folgenden geklärt werden soll.
An dieser Stelle also können unsere Meinungen nicht wie These und Antithese einander gegenüber gestellt werden. Ich will deshalb zunächst eine andere Stelle suchen, wo das möglich ist; finden wir sie, wollen wir dann fragen, welcher der beiden Standpunkte der bisherigen psychoanalytischen Auffassung gemäßer ist, dann diese bisherige Auffassung noch einmal rechtfertigen und am Schluss wieder von der Theorie zur Praxis