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Für einen Altphilologen wie Pierluigi Lanfranchi ist es sicherlich naheliegend, den berühmten Vers aus Vergils Aeneis »flectere si nequeo superos, Acheronta movebo« als Titel seiner Recherche zu wählen. Nicht nur Freud verwendete ihn als Motto seiner Traumdeutung, sondern auch Charles Maylan in seinem Buch Freuds tragischer Komplex, das bei Freud auf große Ablehnung stieß. Fenichel besprach es sehr kritisch (1930), Yerushalmi (1992, S. 89) findet es »abstrus und heimtückisch«. »Psychoanalyse am Scheideweg« (1930) ist ein weiterer Aufsatz Maylans. Dieser psychoanalysekritische Autor ist heute kaum noch bekannt; man wusste bisher wenig über ihn. Dass die Lücke in unserem Wissen ausgerechnet von einem italienischen Autor geschlossen wird, der sich sonst von Berufs wegen mit der Spätantike befasst, ist überraschend und Grund genug, seine biografischen Befunde dem deutschen Publikum vorzustellen. Vorweg sei noch erwähnt, dass es sich für Lanfranchi bei seiner Recherche ebenfalls um eine Überquerung des Acheron, einen Abstieg in das Reich der Toten, handelt: »Das Studium der Geschichte,” schreibt er (S. 242), »verwandelt die Spuren der Vergangenheit in »Quellen‹ und entleert sie auf diese Weise ihres emotionalen Gehalts und der Bedeutung, die sie für diejenigen hatten, die sie hervorgebracht haben.«
Wie so oft sind es auch hier sehr persönliche Beweggründe, die den Anlass zu dieser umfangreichen Forschung bildeten. Teil des Familienromans von Lanfranchi ist die Geschichte des Fräuleins Francesca, das von seiner Großmutter in den Jahren 1939-1943 im bergamaskischen Sovere, dem Heimatort der Familie, untergebracht worden war. Die Scham, aus einer Familie mit faschistischer Vergangenheit zu stammen, ließ bei dem Autor eine Art kompensatorische Phantasie entstehen, dass es sich bei dem Fräulein um eine deutsche Jüdin handelte, die sich auf der Flucht vor den Nazis befand. Francesca konnte bald als Franziska Greiler identifiziert werden, ihr Verlobter, der ihr aus den Vereinigt