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Der amerikanisch-deutschen Historikerin Dagmar Herzog verdanken wir die wichtigsten innovativen Beiträge zur Verknüpfung von Sexual- und Gesellschaftsgeschichte in den USA und im Europa des 20. Jahrhunderts. Von ihren vier Büchern zum Thema1 ist nur das erste auch auf Deutsch erschienen.2 Die Stärke der Analysen Herzogs liegt in ihrer besonderen Fähigkeit, profund-akribische Quellenforschung mit klarer politischer Analyse zu verbinden und damit die Quellen zum Sprechen zu bringen und deren Relevanz für die Gegenwart zu erschließen. Es gelingt ihr, jenseits jeglichen Schwarz-Weiß-Denkens hartnäckige Mythen und Simplifizierungen zu dekonstruieren, Widersprüchlichkeiten offenzulegen, Ambivalenzen sichtbar zu machen - und dabei immer wieder zu verdeutlichen, wo und wie manifest über Sexualität gesprochen wird und welche anderen Themen dabei latent verhandelt werden.3 Das 2017 erschienene Buch Herzogs Cold War Freud. Psychoanalysis in an Age of Catastrophes ist nicht nur für die Geschichte der Psychoanalyse eminent wichtig, sondern auch anregend für aktuelle Kontroversen innerhalb der Psychoanalyse. Leider und für mich unnachvollziehbar ist es immer noch nicht ins Deutsche übersetzt worden - ich verweise auf die sehr guten Zusammenfassungen in den Rezensionen von Reichmayr (2018) und Schwartz (2018). Um nur einen der vier Schwerpunkte des Buches hervorzuheben: Cold War Freud bringt mit Blick von