You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wolfgang Loch , dem der Themenschwerpunkt dieses Hefts gewidmet ist, war in der Bundesrepublik Deutschland von den 1960ern bis in die 1990er Jahre einer der bedeutendsten Theoretiker der Psychoanalyse. Er hatte den ersten deutschen Universitätslehrstuhl für Psychoanalyse inne und zog internationale Koryphäen des Fachs nach Tübingen und Stuttgart, um das anfänglich bescheidene klinisch-theoretische Niveau vor Ort anzuheben. Nachdem aus unbekannten Gründen seine gewünschte Zweitlehranalyse bei Herbert Rosenfeld in London nicht verwirklicht werden konnte, war ihm seine Zusammenarbeit mit Michael Balint in den 1960er Jahren ein Herzensanliegen und eine Quelle vielfältiger Anregungen, wovon der von Jutta Gutwinski-Jeggle vorgestellte Briefwechsel der beiden ein plastisches Zeugnis ablegt. Insbesondere wirft der Briefwechsel auch ein Licht auf Lochs komplizierte Ablösung von Alexander Mitscherlich in Frankfurt.
Wie Balints Anregungen in der Technik der »Deutungs-Optionen« weiterwirkten, die Loch bei den Achalm-Seminaren praktizierte, stellen Jonathan Sklar, Claudia Thußbas und Peter Wegener in einem klinischen Beitrag dar. Insbesondere können sie deren Weiterentwicklung zur Methode der sogenannten »Freien Klinischen Gruppen« bei den Tagungen der Europäischen Psychoanalytischen Föderation mit einigem Stolz schildern, da sie selbst entscheidende Protagonisten in dieser erfolgreichen Rezeptionsgeschichte waren. Lochs enger Mitarbeiter Friedrich-Wilhelm Eickhoff, der andernorts schon ausführlich auf dessen Konstruktivismus eingegangen ist, nimmt hier in einer Marginalie das Konzept von Cesar und Sara Botella über »seelische Zustände ohne Repräsentanz« zum Anlass, auf Lochs Vorläufergedanken mit seinem Konzept der »Abstinenz zweiten Grades« hinzuweisen.
Aus dem Kreis von Lochs Schülern und fachlichen Freunden ist die Stiftung der »Wolfgang-Loch-Vorlesungen« hervorgegangen, die man früher vielleicht als die Loch'sche Schule bezeichnet hätte. Einer der heutigen Stiftungsvorstände