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Unsere biographische Forschung zu Max und Mirra Eitingon führte unversehens zu einer Infragestellung des in der psychoanalytischen Literatur tradierten Bildes von Dr. Sara Neiditsch, deren Lebensweg sich über fast 40 Jahre hinweg immer wieder mit dem der Eitingons kreuzte.
Die wenigen, knappen Lebensprofile von Sara Neiditsch bekunden richtigerweise, dass sie 1875 im russischen Pinsk (heute Weißrussland) geboren wurde; dass sie ab 1905 in Zürich Medizin studierte und ihren Doktor in Berlin machte; und dass sie drei Pionierarbeiten über die Entwicklung der Psychoanalyse in ihrem Heimatland publizierte, zuletzt einen vielzitierten Nachruf auf ihre Kommilitonin und Freundin Tatjana Rosenthal, die sich 1921 in Petrograd das Leben genommen hatte. Hier findet sich bei der Autorangabe der Zusatz »zurzeit Berlin«, der zu der Aussage umgedeutet wurde: »im Herbst 1923 kehrte Sara Neiditsch nach Russland zurück«, mit der Implikation, dass sie fortan in Moskau lebte - obwohl ihr Name in den Mitgliederlisten der 1922 gegründeten Russischen Psychoanalytischen Vereinigung nicht auftaucht. Auch ihr Todesdatum war bisher nicht bekannt. Wir eröffnen unsere Erörterung, indem wir diese Wissenslücke schließen: Sara Neiditsch starb am 16. September 1966 in Paris, wo sie auch den Großteil ihres Lebens zugebracht hatte.
Sara war eines von zehn Kindern des in Pinsk wohnhaften Kaufmanns Jehuda-Adolf Neiditsch und seiner Frau Bracha-Bertha. Nach dem Tod der Eltern kümmerte sie sich um ihre jüngere Schwester Olga (geb. ) bis zur gemeinsamen Übersiedelung nach Moskau zu ihrem älteren Bruder und damaligen Familienoberhaupt Jitzchak-Isak. Die Züricher Matrikel bezeichnet die Anschrift des Bruders als die der »Eltern«. In der direkten Nachbarschaft lebte Mendel-Mikhail Eitingon, ein Cousin ersten Grades von Max Eitingon. Obwohl sich die Eltern von Max in Leipzig niedergelassen hatten, blieb die verstreute Eitingon-Familie in engem Kontakt. Dass Max später schrieb, »Sara Adolfowna« und »Olja« seien f