You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
2018, 34 Jahre nach Michel Foucaults Tod, erschien auf Französisch »les aveux de la chair«. 2019, ein Jahr später, wurde dieser Text auf Deutsch mit vielen französischen Originaltexten im Anhang als Die Geständnisse des Fleisches veröffentlicht. Wie der Herausgeber der Schriften Foucaults, Frédéric Gros, in seiner Einleitung schreibt, habe Foucault zunächst die Entwicklung der katholischen Pastoral und
des Bußsakraments nach dem Konzil von Trient untersuchen wollen, sich davon ausgehend aber dann entschlossen, historisch weiter zurückzugehen. In einem Seminar mit dem bekannten Philosophen Richard Sennett in New York 1980 sprach Foucault dann »über die Ehelehre des Clemens von Alexandrien, die christliche Kunst der Jungfräulichkeit […] sowie eine Untersuchung der elementaren Bedeutung, die der Begriff der Libido - nach dem Sündenfall und in der Ehe - mit dem heiligen Augustinus für unsere Kultur gewonnen hat.«
Die von Foucault ausgewählten Kirchenväter bauten auf der griechischen Philosophie auf, insbesondere dem Platonismus und der Stoa. Clemens von Alexandrien (150-215) entwickelte den Platonismus weiter zu einer stark ethisch geprägten Theologie. Er betonte Sexualität als final, auf die Fortpflanzung bezogen. Die in der griechischen Philosophie bekannte Aphrodisia, die Lust, stehe dem eher im Weg. »Man soll seine Frau nicht wie eine Geliebte behandeln, seinen Samen nicht in alle Winde verstreuen, die Prinzipien der Nüchternheit einhalten - Regeln, die selbst die Tiere respektieren.« (37) Die Logik der animalischen Natur werde weitergeführt in der menschlichen Natur und schließlich in der Beziehung zum Schöpfer. Der Logos werde unterstützt durch das Schamgefühl, das die Herrschaft der Seele über den Körper leite - ein in psychoanalytischen Ohren vertrautes Konzept, das einer Auffassung von gesellschaftlich determinierter Subjektivität ohne theologische Begründungen den Weg bereiten kann. Es geht um die verinnerlichten Regeln, das Subjekt entwickelt Gefühle, die di