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Das vorliegende Heft von LUZIFER-AMOR ist zwei sehr unterschiedlichen Themenschwerpunkten gewidmet: einerseits der Reformierung der Versorgung von und des Umgangs mit psychisch Kranken in der jüngeren (west-)deutschen Vergangenheit, andererseits einer rezeptionsgeschichtlichen Fragestellung in Freuds Theoriebildung.
Die prekäre Situation psychisch Kranker und die teils katastrophalen Zustände in den psychiatrischen Großkliniken der Bundesrepublik blieben bis in die späten 1960er Jahre nicht zuletzt aufgrund der Nachwirkungen des menschenverachtenden Umgangs mit diesem Patientenkreis in der NS-Zeit ein im Bewusstsein der Öffentlichkeit ausgeblendetes Thema. Erst eine 1970 einsetzende Debatte im Deutschen Bundestag führte im Folgejahr zur Inauguration eines Expertengremiums, das eine Enquete erarbeitete als Grundlage für eingreifende Veränderungen. Das 50. Jubiläum des Beginns der Arbeit an dieser Psychiatrie-Enquete nehmen wir zum Anlass, ihr Zustandekommen, ihre Entwicklung und Ausgestaltung ebenso in den Blick zu nehmen wie die Rolle einzelner mitwirkender Akteur*innen im Feld konkurrierender Stimmen, die Erinnerung von Zeitzeugen an jene lebhaften Debatten und nicht zuletzt die langfristigen Auswirkungen auf die Versorgung psychisch Kranker und ihre Gleichstellung mit physisch Kranken, die bis in die Gegenwart reichen.
Steffen Dörres einleitender Beitrag fokussiert die berufspolitischen Aushandlungsprozesse und interessengeleiteten Verteilungskämpfe zwischen den verschiedenen Berufsgruppen innerhalb der Enquete-Kommission über die longue durée vom Beginn bis zum Schlussbericht auf der Basis bislang unbekanntem Archivmaterials. Sein besonderer Akzent liegt dabei auf dem energischen Engagement von Vertretern der Psychoanalyse, vor allem von Horst-Eberhard Richter, aufgrund dessen auch der außerpsychiatrische Versorgungsbereich der Psychotherapie und psychosomatischen Medizin in die Enquete-Arbeit einbezogen wurde. - Simon Duckheim wirft einen kritischen Blick auf das