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Zusammenfassung: Dieser Artikel fokussiert die Wahrnehmung der Rolle der Psychotherapie und Psychoanalyse in Westdeutschland nach 1945 aus psychiatrischer Perspektive. Er analysiert, welche Kontexte für die gesundheitspolitische Anerkennung der Psychoanalyse als therapeutischen Instruments als bedeutend erinnert wurden. Auf der Basis biographischer Interviews mit Akteur/-innen der Psychiatrie werden die Wahrnehmung der fachlichen Etablierung, von einflussreichen Protagonist/-innen und der Rolle des medialen Diskurses rekonstruiert. Im Mittelpunkt steht das Gedankenkollektiv der bundesdeutschen reformorientierten Psychiatrie im Vorfeld der Psychiatrie-Enquete.
Die Auswertung von Gesprächen mit Expert/-innen in der Psychiatrie macht deutlich, welche fachlichen Prozesse aus deren Perspektive wahrgenommen wurden und sich in ihren Narrativen widerspiegeln. Es wird erkennbar, dass reformorientierter Vertreter/-innen der Psychiatrie die Aufnahme der analytischen und tiefenpsychologischen Psychotherapie in den Leistungskatalog der Krankenkassen als sehr prägend erinnern. Als weiteres Ergebnis dieser Untersuchung kann festgehalten werden, dass vor allem medial präsente Personen wahrgenommen werden und der Einfluss anderer prägender Persönlichkeiten (wie Dührssen, Schwidder, Haarstrick) weniger erinnert wird. Auch werden wesentliche Etappen der fachlichen Etablierung psychotherapeutischer Behandlungspraxis und Forschung (Einführung der Zusatzbezeichnung »Psychotherapie« für Ärzte , Aufnahme der »tiefenpsychologisch fundierten und analytischen Psychotherapie« in die kassenärztliche Versorgung , »Psychosomatik und Psychotherapie« als akademische Disziplin kaum berücksichtigt.