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Es ist nicht einfach, für das Begleitbuch eines Museum und seiner Dauerausstellung das beste Format zu finden. Dem Freud-Museum in Wien ist das jetzt gelungen. Nach einer längeren Schließ- und Umbauphase hat es zur Wiedereröffnung im Jahr 2020, der freilich wegen der Corona-Krise kein regulärer Betrieb folgen konnte, eine umfangreiche Publikation herausgebracht, in der es sich selbst in seiner neuen Gestalt vorstellt.
Doch taucht im Titel und Untertitel das Museum gar nicht auf, vielmehr erhält eine Adresse ihre historische Signatur: »Freud. Berggasse 19. Ursprungsort der Psychoanalyse«. Was folgt, ist zum Glück weder eine Aufsatzsammlung noch ein Museumsführer in Form eines Exponatverzeichnisses, sondern die Auslegung dieses Titels. Zu Beginn erläutern die Direktorin, Monika Pessler, und der Architekt Hermann Czech das »a priori« des Wiener Freud-Museums und die Prinzipien des Umbaus. Zwar ist das Museum in den Räumen untergebracht, in denen Sigmund Freund mit seiner Familie lebte und seine Arztpraxis unterhielt, da aber die Familie 1938 aus Wien vertrieben wurde, haben die Räume ihr Interieur und ihre ursprüngliche Gestalt verloren. So hat das Wiener Freud-Museum seit seiner Eröffnung im Jahr 1971 die Aufgabe, in seinen Räumen zugleich den Ursprungsort der Psychoanalyse und die Abwesenheit Sigmund Freuds und seiner Familie darzustellen. Die Freilegung von Mauerschichten bis auf den Unterputz, die Maueröffnungen und die Wiederherstellung ursprünglicher Raumfassungen dienen daher nicht als Hülle einer Rekonstruktion der »authentischen« Räume. Sie sind sachlich orientiert statt sentimental, eine Parallelaktion zur Dauerausstellung. Die Wände sind die verbliebenen Zeitzeugen in den verlassenen Räumen, eher als die Exponate, auch wenn unter diesen zahlreiche Rückkehrer aus dem Exil sind. Die Kuratorin Daniela Finzi erläutert die Grundidee der neu gestalteten Ausstellung, die Abfolge ihrer Exponate an der Zimmerflucht in der Architektur des Gründerzeitbaus auszurichten.