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Eine Gruppe von Forschern hat sich in einem großangelegten Projekt auf die Suche nach der Geschichte der Psychoanalyse in Polen gemacht - und findet unerwarteterweise eine Menge eindrücklicher Gegenwart. Ewa Kobylinska-Dehe, Paweł Dybel und Ludger M. Hermanns hatten zwischen 2016 und 2019 die Gelegenheit, auf drei deutschpolnischen Tagungen (2017 in Krakau, 2018 in Berlin, 2019 in Warschau) Geisteswissenschaftler, Psychoanalytiker, Psychologen und Psychiater, vor allem aus Deutschland und Polen, zusammenkommen zu lassen. Was daraus entstanden ist, sprengte dann fast den Rahmen des Projekts. In den Diskussionen und in den Großgruppen, die im vorliegenden Buch nicht dokumentiert sind, entstanden viele konflikthafte, aber auch berührende Momente zwischen den Teilnehmern. Wenn man die Vorträge der Tagung an der International Psychoanalytic University in Berlin liest, die in diesem Band zusammengetragen wurden, versteht man sofort, warum diese Art Affekte ausgelöst wurden. Jede Facette des Themas, die an irgendeinem beliebigen Punkt aufgenommen wurde, wies nach wenigen Augenblicken in Richtung Hölle: In die Richtung von Holocaust, Auschwitz, Krieg, Vernichtung, Hunger, Verlust, Trennung. Es kam zu Momenten der Bestandsaufnahme des Gegenwärtigen und man fand Verleugnung, jahrzehntelanges Schweigen, bis heute andauernde Projektionen, unbearbeitete Traumata, in Depression feststeckende Trauer und Wut. Das war die eine Seite. Auf der anderen Seite gab es Versuche der Verarbeitung der Traumata in Psychotherapie, Wissenschaft, Kunst und Politik; es gab Reflektionen des Umgangs mit den traumatischen Erfahrungen im eigenen Land und es gab Selbstreflektionen. Von beiden Seiten berichten die Vorträge dieses Bandes.
Um die Heterogenität der Beiträge in den Griff zu bekommen, sind sie in fünf Kapitel unterteilt worden. Das erste Kapitel, das vier Beiträge umfasst, ist überschrieben mit »Lässt sich der Holocaust historisieren?« Eigentlich passt dieser Titel mit seinem angedeuteten Zwe