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Als ich 1991 Freuds Kürzeste Chronik herausgab, war ich davon ausgegangen, dass er seinen Brief an Romain Rolland (Eine Erinnerungsstörung auf der Akropolis) in den acht Tagen zwischen einem Brief vom 6. Januar 1936 (seine Entschuldigung, als Antwort auf eine Bitte um eine Geburtstags-Hommage an Romain Rolland, weil er nichts zu bieten hatte) und der Tagebuchnotiz vom 14. Januar 1936 mit dem Eintrag: »Unglaube auf Akropolis fertig« schrieb.
Der spätere Titel war vermutlich eine weitere von Freuds Änderungen in letzter Minute - zum Beispiel wurde aus »Die Zukunft unserer Illusionen« erst in der Reinschrift Die Zukunft einer Illusion, während sich »Das Glück und die Kultur« im Manuskript über »Das Unglück in der Kultur« in Das Unbehagen in der Kultur änderte. So war mir damals auch nicht bekannt, dass es noch eine alternative Variante mit dem Titel »Unglaube auf der Akropolis« gab.
Alexandre Métraux' kurze, aber eng argumentierende Studie dieses Manuskripts in Bezug auf den kanonischen Text zeigt uns, dass die ganze Angelegenheit (wie zu erwarten war) viel komplizierter ist. Bezeichnenderweise fehlt dem unveröffentlichten Text jeglicher Bezug zu Romain Rolland: Er wird nicht mit dem Rahmenbrief vorangestellt, er wendet sich nicht in der gleichen Konversationsweise an den freundlichen Laien, er befasst sich ausführlicher mit der psychologischen Theorie. Man könnte annehmen, dass es sich um einen früheren Entwurf handelt. Warum trägt es dann das Datum 9/XII/1936 in Freuds Handschrift, also eine Nachdatierung der veröffentlichten Version?
Die Einschätzung von Métraux, dass mehr als zwei Dutzend Studien zur Erinnerungsstörung erschienen sind, ist sicherlich sehr zurückhaltend. Auf jeden Fall konnte und will seine Untersuchung die Literatur nicht umfassend behandeln. Die einzigen bisherigen Studien zu Romain Rolland, die den zweiten Text erwähnen - die von Henri und Madeleine Vermorel und die Monographie von Risto Fried - verdienen jedoch besonderer Erwähnung, vor allem letzt