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Der 1892 in Lemberg geborene und in Wien aufgewachsene Siegfried Bernfeld war vom Pioniergeist und der Entdeckerfreude der frühen psychoanalytischen Bewegung angezogen, noch bevor er ab 1915 an den Sitzungen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung teilnahm und 1919 mit 27 Jahren ihr Mitglied wurde, als Nichtmediziner. Die
Entdeckungsgeschichte des Unbewussten mit den Erkenntnissen und Mitteln der Psychoanalyse voranzutreiben, charakterisierte insbesondere diejenigen der zweiten Schülergeneration um Freud, die schon in der Jugendbewegung vor dem Ersten Weltkrieg aktiv waren und gelernt hatten, unkonventionelle Fragen zu stellen, Herkömmliches infrage zu stellen und neue Praxisfelder zu erschließen. Bernfeld war, mit Otto Fenichel, Wilhelm Reich und anderen, einer ihrer herausragenden Exponenten. 2010 setzte der Psychosozial-Verlag die 1992 von Ulrich Herrmann zusammengestellte und begonnene Bernfeld-Werkausgabe fort und wird sie 2022 mit 12 Bänden zum Abschluss bringen. Wie den vorliegenden Band 10 wird Gerhard Benetka auch den folgenden Band 11 mit den libidometrischen Schriften von Bernfeld und Feitelberg als federführender Herausgeber betreuen.
Dieser Band versammelt unter dem Titel »Psychoanalyse - Psychologie - Sozialpsychologie« Arbeiten, in denen Bernfeld mit den Mitteln der Psychoanalyse in akademisch-psychologische, pädagogische und sozialpsychologische Disziplinen vordringt. Zwei am Beginn dieses Bandes abgedruckte Schriften von 1913 und 1914, die in der Internationalen Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse erschienen, zeugen von seinem frühen Interesse an der Psychoanalyse, das mit der Lektüre der Traumdeutung geweckt wurde, die er als Sechzehnjähriger las. Wie Freud die psychiatrischen Klassifikationen mit der psychoanalytischen Methode eines radikal veränderten Verhältnisses von Arzt und Patient und seiner Metapsychologie auflöste, so geht Bernfeld im Bereich der Psychologie und Pädagogik mit der Infragestellung des Lehrer-SchülerVerhältnisses und d