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Nichts war unwahrscheinlicher, als dass dieses Zeitdokument eines Tages in einer hervorragend edierten und ausgestatteten Prachtausgabe der Nachwelt überliefert würde. Sein Schicksal ist ähnlich bewegt und abenteuerlich wie das Leben von Magnus Hirschfeld selbst. Geradezu als repräsentatives Zeugnis seiner Exiljahre 1933-1935 angelegt und als Beweis der ihn damals umgebenden Solidarität und des nicht nachlassenden Networking zu verstehen, wäre das
Dokument um ein Haar im Altpapier verschwunden. Wie der Überlieferungs- und Editionsgeschichte von Hans Bergemann zu entnehmen ist, brachte es seinen Besitzern im Exil kein Glück. Karl Giese, Hirschfelds Lebensgefährte, nahm sich 1938 in Brünn das Leben; bald darauf verstarb Karl Fein, der nach seiner Deportation in Lodz 1942 ums Leben kam. Als Fund im Altpapierwaren-handel gelangte es über Stanislav Kaderka an Milena Baumgarten, die es 1985 an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach verkaufte. Obwohl dann zweimal in Ausstellungen gezeigt, bedurfte es erst der Entdeckung durch die Literaturwissenschaftlerin Marita Keilson-Lauritz, die sich viele Jahre mit der Entzifferung und Identifizierung von Einträgen und Verfassern beschäftigte und ihre Arbeitskopie 2016 der Berliner Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft zur Vollendung der Editionsarbeit vornehmlich durch Kevin Dubout und Kollegen übergab.
Herausgekommen ist ein aufwendig gestaltetes Werk im Querformat, das das Hirschfeld'sche Tagebuch im Faksimile enthält, wozu sich jeweils seitlich angelegt Transkriptionen und Übersetzungen gesellen und in Fußnoten und mehreren Anhängen umfangreiche Erläuterungen als überzeugende Forschungsleistung präsentiert werden. Ein einführender Essay von Ralf Dose über »Magnus Hirschfeld in Frankreich« legt die Grundlage für das Verständnis der letzten fünf Lebensjahre von Hirschfeld, der 1930 eine Weltreise per Schiff in Bremerhaven begann, nie mehr nach Deutschland zurückkehren sollte und nach der Rückkehr nach Europa erst in Zürich, dann in Asco