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Nicht zuletzt angeregt durch die aktuelle Corona-Pandemie-Situation und ihrer engen Vernetzung biologischer und psychoanalytischer Diskurse widmen sich die beiden aktuellen Ausgaben Nr. 94 (2021) und Nr. 95 (2021) der lacanianischen Zeitschrift RISS der Bioanalyse und ihrem philosophischen und wissenschaftlichen Standort sowie möglichen Anwendungen und (assoziativen) Weiterentwicklungen. Sándor Ferenczi hatte 1924 in seiner Schrift »Versuch einer Genitaltheorie« diesen Begriff geprägt und damit die Forderung verknüpft, psychoanalytische Konzepte auf die Naturwissenschaft, insbesondere die Biologie anzuwenden. (»Damit wäre aber auch der erste Stein zur Grundlegung einer neuen bioanalytischen Wissenschaft gegeben, die die psychoanalytischen Kenntnisse und Arbeitsweisen methodisch auf die Naturwissenschaften überträgt.« Ferenczi , S. 112) Psychische Prozesse können somatische Erkrankungen auslösen, auch entsprechen ontogenetische Entwicklungen vor allem in der Sexualität phylogenetischen Entwicklungen. Solche Ideen klingen heute vielleicht esoterisch oder naiv und durch die aktuellen Diskussionen über Neuropsychoanalyse und Versuche, psychoanalytische Konzepte umgekehrt durch neurowissenschaftliche Forschungen zu belegen, reichlich überholt. Die beiden Ausgaben von RISS verweisen dagegen kraftvoll auf die Aktualität des Konzeptes Bioanalyse, das offensichtlich gut in einen Diskurs passt, der Körper und Seele, Natur- und Geisteswissenschaft nicht als Dualität, sondern als Einheit sieht und der naturwissenschaftliche Konstrukte kritisch auf die Notwendigkeit verweist, die Subjektivität stets mitzudenken. Psychoanalytiker wie Michael Balint, Franz Alexander und Jacques Lacan befassten sich mit diesem Konzept ebenso wie der italienische Filmregisseur und Autor Pier Paolo Pasolini. Nicht die Neurobiologie hat bei einem solchen Ansatz die Aufgabe, die Psychoanalyse zu beweisen, sondern die Psychoanalyse kann der Neurobiologie, ja der gesamten Biologie, sinnvolle Impulse lief