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Der Bremer Psychologe und Psychotherapeut Björn Husmann, Gründungsmitglied und bis 2019 Vorsitzender der Deutschen GesellschaftfürEntspannungsverfahren, war in den letzten Jahren der führende Forscher und Chronist der Geschichte des Autogenen Trainings (AT) und seines Begründers Johannes Heinrich (I. H.) Schultz. Dieses Buch basiert auf einer Ausstellung, die Teil eines Symposiums über Schultz und das AT im Jahr 2020 in Jena hätte sein sollen, um die »Geburt« der Methode dort im Jahr 1920 zu ehren. Das Symposium und die Ausstellung konnten aber wegen der SARS-CoV2-Pandemie bis heute nicht stattfinden.
Umso wichtiger ist dieses Buch, das in Text und Bild eine detaillierte Geschichte des AT und eine Biografie von Schultz liefert. Husmann räumt ein, dass er »kein gelernter Historiker« ist (S. 9). So konzentriert sich der Diskurs des Bandes etwas eng auf Schultz und das AT und geht nicht auf die gesamte Entwicklung der deutschen Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie sowie ihre Bearbeitung durch Historiker ein. In diesem Sinne dokumentiert das Buch zwar ausführlich (z.B. Zeugenaussagen aus Schultz’ Entnazifizierungsverfahren), nimmt aber nicht Partei zur öffentlichen und wissenschaftlichen Kontroverse über Schultz’ Taten und Worte als prominentes Mitglied der medizinischpsychotherapeutischen Gemeinschaftim Nationalsozialismus.
Schultz’ Haltung zur Psychoanalyse ist ein wichtiges Thema, die Husmann zu Recht als ambivalent charakterisiert. Während des I. Weltkriegs arbeitete Schultz in einem Lazarett in Ostpreußen mit dem Berliner Psychoanalytiker Karl Abraham zusammen. In einem Brief vom 26.04.1915 an Freud vermerkte Abraham, dass Schultz ein langjähriger Kritiker der Psychoanalyse sei, den er auf »seine leicht erkennbaren Widerstände« (S. 29) aufmerksam machen wolle. Schultz’ erstes Buch, Seelische Krankenbehandlung , enthielt die Psychoanalyse neben anderen Methoden, die Schultz für die ihm wesentliche »Psychologisierung des Arztes« als relevant ansah. Nach dem Krieg ar