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Im Jahr 2006 habe ich einen Aufsatz veröffentlicht unter dem Titel »Sigmund Freuds Praxis. Visiten und Ordination - Psychoanalysen - Einnahmen«.1 Er sollte einen Überblick geben über die quantitative Seite der Aufzeichnungen Freuds zu seiner Praxis. Neben dem Patientenkalender für die Zeit zwischen 1910 und 1920 habe ich auch das sogenannte Kassa-Protokoll ausgewertet.
Das in den Sigmund Freud Papers in der Library of Congress aufbewahrte Buch enthält Angaben zu Visiten und Hausordinationen von etwa 100 Patienten mit Namen, Adressen, Visiten, Sprechstundenbesuchen und Honoraren. Von wem der Text auf dem Cover war, hat mich damals wenig interessiert - jedenfalls war er nicht von Freud. Trotzdem hatte ich keinen Zweifel, dass es sich um Freuds Patienten handelte. Auch die Aufzeichnungen selbst waren nicht in Freuds Handschrift, aber da Melanie Dub (verh. Figdor) Kurt R. Eissler erzählt hatte, dass Minna ein Kassabuch Freuds geführt habe, hat mich das anfangs auch nicht sonderlich verwundert. Einen gründlichen Vergleich mit Minnas Schrift habe ich aber nicht angestellt.
Als ich anfing, das FreudDiarium2 für die Sigmund-Freud-Gesamtausgabe (SFG) vorzubereiten, habe ich versucht, alle erfassten Daten gegenzuchecken. Und für die zweite Hälfte der 1890er-Jahre bot sich dazu auch das Kassa-Protokoll an.
Dabei fielen mir Unstimmigkeiten bei den Daten von Hausbesuchen und Sprechstunden auf. Das erste Datum, das mich stutzig machte, war der 25./26. September 1897. Da war Freud bei Fließ in Berlin. In dem Brief vom 27.9. an Fließ schreibt er, dass er nach zwölfstündiger Reise wieder in Wien angekommen sei. Im Kassa-Protokoll gibt es aber mehrere Einträge von Visiten bzw. Hausordinationen am 25. bzw. 26. September 1897. Nun begann ich weitere Daten zu überprüfen. Nach einer größeren Anzahl von »Doppelungen« blieb nur noch die Möglichkeit, dass Freud sich entweder oft im Datum geirrt oder Patientenkontakte eingetragen hat, die gar nicht stattgefunden haben. Eine weitere, für mich k