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Bei der Durchsicht alter Korrespondenzen stieß ich auf einen Brief,1 aus dem ich hier einige Zitate zum Druck bringe. Geschrieben hat ihn Frau »Prof. Dr. A. E. Brauneck« nach der Lektü-re meines Buches Erfahrungen mit Norbert Elias (Schröter 1997). Sie legte dem Brief eine eigene Schrift über Fühlen und Denken bei (1996), in der sie ähnliche Ideen verfolgt hatte wie Elias in dem von mir herausgegebenen Band Engagement und Distanzierung (1983).
Über die Autorin informiert ein Wikipedia-Artikel, der sich auf den Nachruf von Arthur Kreuzer (2007) stützt. AnneEva Brauneck (1910‒2007) war Juristin, ein Fach, das sie gewählt hatte, »weil ich glaubte, meiner verwitweten Mutter einen ordentlichen Beruf zu schulden«; eigentlich hätte sie gern Philosophie studiert. Aus ihrer Heidelberger Studienzeit 1931/32 erzählt sie:
Ich war in der Sozialistischen Studentengruppe ‒ in die damals auch Golo Mann kam ‒ und las an heißen Tagen in der leeren Jesuitenkirche das »Kapital«, war aber zu schüchtern, mich an den Diskussionen der Gruppe zu beteiligen Ich hungerte, wenn auch noch nicht so radikal wie nach dem 2. Weltkrieg, und ich war glücklich. Abends strömte man öfter zu den Vorträgen auswärtiger Größen in die Aula, wo dann Marianne Weber hochgeehrt in der ersten Reihe Platz nahm. Einmal sprach dort Tillich, noch jung, lebenskräftig, lebensvoll, und auf irgendeine Weise brachten ein paar von uns Studenten es fertig, der kleinen Professorengruppe, die weiter mit ihm diskutierte, ins Hotel zu folgen. Sie saßen in einem kleinen Kreis auf Stühlen, und wir ganz nah dabei, freundlich geduldet. Es waren Radbruch, Gundolf, Mannheim, wohl auch Jaspers und ein oder zwei weitere, und natürlich Tillich selbst, der auch hier im Mittelpunkt stand und, was die anderen aber nicht mitmachen wollten, »das Leben« als Leitbegriff propagierte. Er versuchte das mit dem Bild zu veranschaulichen: »wenn ich einfach so in eine Tomate beiße …«, und ich sehe ihn noch, mit kräftig gefärbtem Gesicht unter seiner