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»Was für ein großartiger, bedächtiger, lernwilliger und zur Selbstkorrektur fähiger Denker Freud doch war - und wie sehr uns seine intellektuelle Redlichkeit heute doch gelegentlich fehlt!«
Man möchte diesem Stoßseufzer des Philosophen Axel Honneth, mit dem er seinen Beitrag für 365 x Freud: Ein Lesebuch für jeden Tag einleitet, aus vollem Herzen zustimmen. Schließlich lautet die Gretchenfrage für Psychoanalytiker und viele Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle: Wie hältst du's mit Freud? Wobei es natürlich schon immer nicht nur den einen Freud, sondern verschiedene Freuds gab, den jungen »Eroberer« mit seinem Selbstbewusstsein, das heute nur erstaunen kann, dann den immer mehr differenzierenden älteren Skeptiker. Genial waren »alle« Freuds.
In dem von Kai Rugenstein und Tobias Nolte herausgegebenen Band versammeln sich 280 Autoren, einige mit einem Doppelbeitrag, die ein Freud-Zitat auf einer Seite kommentieren. Bei der Auswahl der Zitate wie der Kommentierenden war für die Herausgeber das Prinzip der Perspektivenvielfalt leitend. Sie schreiben in ihrem Vorwort: »365 x Freud macht als Vademecum in spielerischer Weise mit psychoanalytischem Denken vertraut. In seinem subjektiven Zugriff auf psychoanalytische Konzepte kann und soll dieses Buch einschlägige Fachwörterbücher [….] folglich nicht ersetzen, sondern ergänzen. Denn das Format dieses Bandes ermöglicht es, neben Grundbegriffen der Psychoanalyse ebenso randständige und vielleicht eher unerwartete Elemente des Freudschen Oeuvres hervortreten zu lassen, welche in einem Fachwörterbuch keinen Platz haben.« Gesagt, getan: Rugenstein beginnt mit »Aal« und damit natürlich nicht mit einem psychoanalytischen Grundbegriff, sondern mit dem Gegenstand einer der ersten Forschungsarbeiten des jungen Mediziners Freud. Diese beschäftigte sich mit der Geschlechtlichkeit der Aale, und sie musste ihn nicht nur wegen ihrer Eintönigkeit frustrieren, sondern auch wegen ihrer wissenschaftlichen Unergiebigkeit. 400 Aale sezierte