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Die in diesem Band versammelten Aufsätze hat Eli Zaretzky 2017 unter dem Titel »Political Freud« veröffentlicht. In ihnen arbeitet der Autor das kritische Element heraus, das der Freudianismus für die gesellschaftlichen Entwicklungen des letzten und des neuen Jahrhunderts bildete. So wie Max Weber den Geist des Kapitalismus im 19. Jahrhundert in der protestantischen calvinistischen Ethik verankerte, so will Zaretsky zeigen, wie die Psychoanalyse die Veränderungen des kapitalistischen Geistes beeinflusst hat, die wir mit der zweiten industriellen Revolution - der Massenproduktion und des Massenkonsums - verbinden. Sie half, ein neues Verständnis des persönlichen privaten Lebens zu etablieren. Beruhte die traditionelle Kultur auf einem Geist, der Gehorsam, harte Arbeit und Anspruchslosigkeit als Ideale vorgab, so propagierte der neue Kapitalismus - in Gang gesetzt durch die großen Konzerne - ein hedonistisches expansives Konsumverhalten. Ein neues Gefühl der Innerlichkeit entstand, das nicht auf soziale Beziehungen reduzierbar war, sondern zutiefst durch frühe Erfahrungen in der Familie geprägt wurde. Die Familie spielte jetzt als Konsumeinheit eine große Rolle. Die Psychoanalyse zählte zu den effektivsten »Vehikeln« einer Transformation der Subjektivität, indem sie innere Motivationen aktivierte »und dazu beitrug, die Familie von einer traditionsgebundenen, produktionsorientierten Einheit in den Träger expressiver Individualität zu verwandeln« (40). Auch verdankte sie ihre führende Position der Überzeugung, dass die bestehenden Kontrollen der Sexualität und der Triebe irrational und ungerecht seien. Eben diese Überzeugung wies eine Nähe zu den neuen Möglichkeiten des Großkapitalismus auf. Eine lange Revolution der sexuellen und familialen Normen kam in Gang, die in den 1960er-und 70er-Jahren ihren Höhepunkt erreichte, sich aber dann vom Freudianismus ablöste, weil Triebentfesselung und Triebbefriedigung unter andere gesellschaftlich leitende Vorstellungen kamen. Juge