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Seit langem erweist sich Freuds Praxis als ein besonders fruchtbares Feld historischer Forschung. Um ein genaueres Bild von ihr zu gewinnen, muss man die Vielzahl einzelner Patienten/Analysanden ins Auge fassen, über die es in verschiedenen Quellen Informationen gibt. Das Buch von BorchJacobsen ‒ die überarbeitete Neuauflage eines Bandes, der 2011 auf Französisch erschienen ist ‒ enthält Skizzen über 38 Personen, die bei Freud in Behandlung waren, und ist damit die bisher umfangreichste Publikation zum Thema. Zu den in der Erstausgabe besprochenen Personen sind in der englischen sieben hinzugekommen: Franziska v. Wertheimstein, Martha Bernays, Wilhelm v. Griendl, Alois Jeitteles, Kurt Rie, Monroe Mayer und Scofield Thayer. Auch mit diesen Erweiterungen ist, was der Autor verschweigt, die Reihe der bekannten Freud-Patienten, über die sich Gehaltvolles sagen lässt, bei Weitem nicht erschöpft. Man nehme nur die 19 Patienten, die Ulrike May in ihrer Untersuchung von Freuds Patientenkalender der Jahre 1910‒1920 vorstellt: Von ihnen erörtert BorchJacobsen lediglich sieben ‒ vielleicht, weil das Leben der anderen durch Primärforschung weiter hätte erschlossen werden müssen; und in Fällen wie dem von Arthur Fischer-Colbrie trifft auch das nicht zu.
Man begegnet in dem Buch vielen mehr oder weniger geläufigen Namen, so den ProtagonistInnen der Krankengeschichten Freuds von Fanny Moser (»Emmy v. N.«) bis Margarethe Csonka (»Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität«). Im Folgenden werden vor allem die neu hinzugefügten Kapitel betrachtet. Ein Aspekt, der den Grundbestand von 2011 kennzeichnet, tritt bei ihnen weniger stark hervor; Ernst Falzeder hat ihn so umrissen: BorchJacobsen stützt sich immer wieder »nicht auf eigene Recherchen, sondern auf Arbeiten anderer ForscherInnen«, wobei »die Formulierungen und Darstellungen einzelner Kapitel doch die Grenzen eines Plagiats streifen«. Diese faktische Abhängigkeit von Kollegen wird dadurch verwischt, dass