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Ab der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre erlebte die Wiener Psychoanalyse eine Blütezeit mit innovativen Weiterentwicklungen in Theorie und Praxis. Besonders fruchtbar und
zukunftsweisend war die um Anna Freud zentrierte psychoanalytisch-pädagogische und kinderanalytische Arbeit, die unter dem Druck des Nationalsozialismus in den angelsächsischen Raum vertrieben wurde. Das Buch von Christiane Ludwig-Körner handelt davon, wie diese Arbeit in den 1940er-Jahren in England fortgesetzt wurde, zuerst in den Kriegskinderheimen, die A. Freud dort aufbaute, und dann in der Betreuung junger Kinder, die in Konzentrationslagern überlebt hatten und die im Sommer 1945 nach England gebracht wurden. Ein spezieller Reiz des Buches liegt darin, dass es Frauen in den Fokus rückt, die in den Heimen als Leiterinnen und Kindergärtnerinnen praktisch tätig waren. In den monatlichen Berichten über die War Nurseries, abgedruckt in A. Freuds Schriften, sind sie allgegenwärtig, aber anonym. Ludwig-Körner nennt viele von ihnen mit Namen. Einige, die noch am Leben waren, hat sie vor ca. 25 Jahren aufgesucht und interviewt. Diese Interviews liegen ihrem Buch zugrunde, sodass die betreffenden Frauen einen Lebenslauf und meistens auch eine Stimme erhalten.1
Den Hauptteil des Buchs bilden sechs Kapitel über Alice Goldberger, Sophie und Gertrud Dann, Manna Friedmann (die als einzige erst nach dem Krieg mit A. Freud in Kontakt kam), Anneliese Schnurmann, Ilse Hellmann und Hansi Kennedy. Es handelt sich um eine recht heterogene Gruppe: Das Spektrum reicht von den Schwestern Dann, deren Ambitionen nie über die Tätigkeit als Kindergärtnerin hinausgingen, bis zu I. Hellmann, die schon vor 1938 im Wiener psychologischen Institut bei Charlotte Bühler eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen hatte und in London eine produktive Forscherin im Bereich der Kinderanalyse wurde. Drei der Frauen haben geheiratet, die anderen blieben ledig wie A. Freud. Manche hatten in Deutschland schon Heime geleitet, so Alic