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Vorgelegt wird eine Biografie über die Heilpädagogin Annemarie WolffRichter. Ihrer Initiative entsprangen um 1930 Planung, Aufbau und Leitung eines Kinderheims in Berlin. Ihr Konzept demokratisch erarbeiteter pädagogischer Angebote prägt, vor dem Hintergrund einer Fülle von privaten Notizen und Briefen, von Dokumenten und Fotografien, den packenden Bericht über das Schicksal dieses Heimes.
Entlang Vorstellungen von einer »Kindergemeinde« ging es u. a. darum, »Begabung zu vertiefen« und über Entwicklung im »Mikroprozess Kinderheim« die »Arbeits- und Lebensgrundlagen« vor allem erziehungsschwieriger Kinder zu stärken. Fachlich begründete Kontroversen und psychische Konflikte lassen sich als Ausdruck für lebendigen Streit zwischen den Mitarbeitern nachempfinden. So mögen Formulierungen wie »zerrissene Welten«, »im Grunde waren sie alle Getriebene«, oder »Durchgangsstadium« den Aufbruch zu Formen neuer Pädagogik durchaus als Provisorien innerhalb schulreformerischer Ideen aus den Zwanzigerjahren verstanden werden. Eine unkritische Anwendung psychologischer und therapeutischer Maßnahmen in pädagogischen Situationen mag dazu beigetragen haben, sich mit Individualpsychologie und Psychoanalyse zu befassen. So liest man mit Interesse vor allem von Kontakten und Kooperation innerhalb weiterreichender Bemühungen zwischen dem Berliner Heim und Mitgliedern des damaligen Berliner DPG-Instituts. Es liegt nahe, dass es sich dabei um frühe Formen angewandter Psychoanalyse im pädagogischen Feld, unter Einbeziehung von frühen Formen von Praxisanleitung und Selbsterfahrung, gehandelt hat. Man kann annehmen, dass es sich bei der interdisziplinären Arbeit um psychische Entlastung der Erzieher im Alltag mit Problemkindern gehandelt hat. Die allgemeine politische Situation, einhergehend mit Disziplinierung und Zerstörung, Gefahr für Leib und Leben, ließ Überlegungen zu Krisenintervention, angesichts von Fluchtfantasien und angetretener Emigration, ins Zentrum rücken.
Früh schon sah sich Ann